Kurz beantwortet: Beim Zinseszins werden Erträge wieder angelegt und erzielen selbst Erträge. Über lange Zeiträume wächst das Vermögen dadurch exponentiell: Bei 7 Prozent Rendite verdoppelt es sich etwa alle zehn Jahre. Wer mit 25 beginnt und 40 Jahre lang rund 380 Franken pro Monat investiert, kann bis 65 auf eine Million Franken kommen, bei nur rund 183’000 Franken eigenen Einzahlungen.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 28. Oktober 2026.
Wie funktioniert der Zinseszins?
Beim einfachen Zins erhältst Du jedes Jahr einen Ertrag auf Dein ursprüngliches Kapital. Beim Zinseszins legst Du diesen Ertrag wieder an, sodass im nächsten Jahr auch die bisherigen Erträge Rendite abwerfen. Ein Beispiel mit 100 Franken und 7 Prozent Rendite pro Jahr:
| Anlagedauer | Mit einfachem Zins | Mit Zinseszins | Zusätzlich durch Zinseszins |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 107 Franken | 107 Franken | 0 Franken |
| 10 Jahre | 170 Franken | rund 197 Franken | rund 27 Franken |
| 20 Jahre | 240 Franken | rund 387 Franken | rund 147 Franken |
| 40 Jahre | 380 Franken | rund 1’500 Franken | rund 1’120 Franken |
Am Anfang ist der Effekt kaum sichtbar, mit der Zeit wird er zur dominierenden Kraft. Albert Einstein wird der Satz zugeschrieben, der Zinseszins sei das achte Weltwunder. Ob er das wirklich gesagt hat, ist umstritten; die Mathematik dahinter ist es nicht.
Die 72er-Regel: Wann verdoppelt sich mein Geld?
Eine einfache Faustregel: Teile 72 durch die erwartete Rendite pro Jahr, und Du erhältst ungefähr die Anzahl Jahre, bis sich das Kapital verdoppelt. Bei 7 Prozent sind das rund zehn Jahre. Aus 100’000 Franken werden so nach rund 10 Jahren 200’000 Franken, nach 20 Jahren 400’000 Franken, nach 30 Jahren 800’000 Franken und nach 40 Jahren rund 1,6 Millionen Franken.
Ist die 7 Prozent realistisch? Der Schweizer Aktienmarkt hat seit 1926 inklusive wieder angelegter Dividenden im Durchschnitt rund 7,7 Prozent pro Jahr erzielt. Aus 100 Franken, Ende 1925 investiert, wären so bis heute weit über 100’000 Franken geworden, ohne eine einzige weitere Einzahlung. Für die Zukunft ist das keine Garantie, aber eine solide Grössenordnung für langfristige Planungen.
Was es für eine Million braucht
Wie viel musst Du monatlich investieren, um bis zur Pensionierung eine Million Franken aufzubauen? Bei 7 Prozent Rendite pro Jahr ergibt sich:
| Anlagedauer | Beispiel Startalter | Betrag pro Monat | Selbst eingezahlt | Anteil Zinseszins |
|---|---|---|---|---|
| 40 Jahre | 25 | rund 380 Franken | rund 183’000 Franken | über 80 % |
| 30 Jahre | 35 | rund 820 Franken | rund 295’000 Franken | rund 70 % |
| 20 Jahre | 45 | rund 1’920 Franken | rund 461’000 Franken | rund 54 % |
| 10 Jahre | 55 | rund 5’780 Franken | rund 693’000 Franken | rund 31 % |
Je früher Du beginnst, desto mehr Arbeit übernimmt der Zinseszins. Mit 40 Jahren Zeit stammen über 80 Prozent des Endvermögens aus Erträgen; mit 10 Jahren musst Du den grössten Teil selbst einzahlen. Auch kleinere Beträge wirken: 100 Franken pro Monat über 45 Jahre wachsen bei 7 Prozent auf rund 380’000 Franken, 250 Franken pro Monat auf fast eine Million.
Warum schon 1 Prozent Kosten viel ausmacht
Der Zinseszins wirkt auch bei den Kosten, nur in die andere Richtung. Wer statt 7 nur 6 Prozent Rendite erzielt, etwa wegen teurer aktiv verwalteter Fonds, braucht für dieselbe Million mit 380 Franken pro Monat nicht 40, sondern gut 44 Jahre. Bei 2 bis 3 Prozent Kosten wird der Unterschied noch deutlich grösser. Mehr dazu im Artikel Gemischte Anlagefonds und Gebühren.
So nutzt Du den Zinseszins richtig
- Früh beginnen: Die Zeit ist der stärkste Hebel. Jedes Jahr zählt.
- Erträge wieder anlegen: Thesaurierende ETFs investieren Dividenden automatisch neu. Werden Ausschüttungen ausgegeben, wirkt der Effekt nur zum Teil.
- Kosten tief halten: Jeder Prozentpunkt Kosten wird über die Jahre ebenfalls vervielfacht.
- Breit streuen: Viele Unternehmen, Branchen und Länder reduzieren das Risiko, dass einzelne Ausfälle den Effekt zunichtemachen.
- Investiert bleiben: Wer in Krisen verkauft, unterbricht den Zinseszins genau dann, wenn die Kurse tief sind.
- Lohnerhöhungen investieren: Steigt das Einkommen, steigen oft unbemerkt auch die Ausgaben. Wer einen Teil jeder Lohnerhöhung in den Sparplan lenkt, statt den Lebensstil anzupassen, beschleunigt den Vermögensaufbau deutlich.
Einordnung aus der Praxis
Auch nach über 25 Jahren an den Finanzmärkten bin ich immer wieder erstaunt, welche Zahlen ein einfacher Zinseszinsrechner liefert. In Gesprächen sehe ich oft zwei Gruppen: Junge Menschen, die glauben, mit kleinen Beträgen lohne sich das Investieren nicht, und Ältere, die meinen, es sei zu spät. Beides stimmt nicht. Eine Million bei der Pensionierung ist kein Ziel für wenige, sondern mit Zeit, Disziplin und tiefen Kosten für viele erreichbar. Und mit 65 hört das Investieren nicht auf: Geld, das Du erst mit 75 oder 85 brauchst, kann weiter für Dich arbeiten.
Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 2: Zinseszins, das achte Weltwunder?, 68: Aus einem Dollar werden mehr als 2,6 Millionen, 83: Als Millionär in Pension und 51: So wirst Du wirklich reich.
Häufige Fragen zum Zinseszins
Was ist der Zinseszinseffekt?
Der Zinseszinseffekt entsteht, wenn Erträge wieder angelegt werden und dadurch selbst Erträge abwerfen. Das Vermögen wächst so nicht gleichmässig, sondern exponentiell.
Wie lange dauert es, bis sich mein Geld verdoppelt?
Nach der 72er-Regel teilst Du 72 durch die jährliche Rendite. Bei 7 Prozent verdoppelt sich das Kapital in rund zehn Jahren, bei 4 Prozent in rund 18 Jahren.
Wie viel muss ich monatlich sparen, um Millionär zu werden?
Bei 7 Prozent Rendite rund 380 Franken pro Monat über 40 Jahre, rund 820 Franken über 30 Jahre oder rund 1’920 Franken über 20 Jahre.
Funktioniert der Zinseszins auch mit ETFs?
Ja. Bei thesaurierenden ETFs werden Dividenden automatisch wieder angelegt. Bei ausschüttenden ETFs musst Du die Ausschüttungen selbst wieder investieren, damit der Effekt voll wirkt.
Ist es mit 50 zu spät für den Zinseszins?
Nein. Auch mit 50 bleiben oft 15 bis 30 Jahre Anlagehorizont, denn das Vermögen wird nach der Pensionierung nicht auf einmal gebraucht. Der Effekt ist kleiner als bei einem frühen Start, aber immer noch deutlich.
Weiterführend
Wie Du den Zinseszins mit einem monatlichen Sparplan nutzt, erklärt der Artikel ETF-Sparplan. Für Kinder ist der Effekt besonders stark, mehr dazu unter Geld für Kinder anlegen. In der how2invest Academy findest Du interaktive Rechner und lernst, Deine Strategie kostengünstig umzusetzen.
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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die Rechenbeispiele beruhen auf einer angenommenen Rendite von 7 Prozent pro Jahr; Sparpläne mit monatlicher Verzinsung. Vergangene oder angenommene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.