Geld anlegen in der Schweiz: Schritt für Schritt. how2invest Ratgeber

Geld anlegen in der Schweiz: So startest Du Schritt für Schritt

Kurz beantwortet: Geld anlegen in der Schweiz gelingt am zuverlässigsten mit einer klaren Anlagestrategie, die zu Deinen Zielen und Deinem Anlagehorizont passt, umgesetzt mit wenigen, breit gestreuten und kostengünstigen ETFs. Geld, das Du in den nächsten Jahren brauchst, bleibt auf dem Konto; langfristiges Geld gehört an die Börse. Entscheidend für den Erfolg sind tiefe laufende Kosten, Disziplin und Zeit, nicht die Auswahl einzelner Gewinneraktien.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 28. Oktober 2026.

Warum sollte man sein Geld überhaupt anlegen?

Auf dem Sparkonto verliert Geld über die Jahre an Kaufkraft: Die Zinsen in der Schweiz liegen nahe null, während Lebenshaltungskosten, Mieten und Krankenkassenprämien weiter steigen. Wer langfristig Vermögen aufbauen oder seine Altersvorsorge ergänzen will, kommt an Sachwerten wie Aktien nicht vorbei. Trotzdem ist nur rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung an der Börse investiert.

Welche Wege gibt es, Geld anzulegen?

Weg Vorteile Nachteile
Sparkonto Sicher und jederzeit verfügbar Kaum Zins, Kaufkraftverlust über die Jahre
Nach Bauchgefühl Aktien kaufen Spannend, schneller Einstieg Ohne Strategie meist unterdurchschnittliche Ergebnisse
Bankberatung Persönlicher Ansprechpartner Oft teure Fonds und Mischprodukte, nicht immer unabhängig
Robo-Advisor Einfach und automatisiert Gebühren meist um 0,5 bis 0,7 Prozent pro Jahr, wenig Einfluss auf die Strategie
Selbst anlegen mit ETFs Tiefste Kosten, volle Kontrolle Setzt Wissen und Disziplin voraus

Am kostengünstigsten und flexibelsten ist es, selbst anzulegen. Das nötige Wissen lässt sich heute in wenigen Stunden aufbauen, und Anleger mit kleinem Vermögen erhalten Zugang zu denselben Produkten wie Profis.

In sechs Schritten zum eigenen Depot

1. Wissen aufbauen

Investiere nur in Anlagen, die Du verstehst. Nutze seriöse Quellen und sei vorsichtig bei Finanz-Influencern, die vor allem eigene Produkte oder Partnerprogramme verkaufen. Wer sich unsicher ist, holt sich unabhängige Unterstützung.

2. Ziele und Anlagehorizont festlegen

Wofür legst Du an: Altersvorsorge, Vermögensaufbau, Wohneigentum, Ausbildung der Kinder? Je länger der Horizont, desto höher kann der Aktienanteil sein. Halte zudem eine Liquiditätsreserve von typischerweise drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Konto, damit Du in einem Börsentief nicht verkaufen musst.

3. Anlagestrategie und Asset-Allokation bestimmen

Die Aufteilung auf Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Immobilien und Gold ist die wichtigste Entscheidung überhaupt. Sie erklärt den grössten Teil der langfristigen Rendite, viel mehr als die Wahl einzelner Titel. Innerhalb der Aktien geht es um die Gewichtung der Regionen: Ein MSCI-World-ETF besteht zu rund 70 Prozent aus US-Aktien, die Schweiz macht nur rund 2 Prozent aus. Wie viel Schweiz, Europa, USA und Schwellenländer Du halten willst, ist eine bewusste Entscheidung.

4. Mit ETFs umsetzen

ETFs bilden einen ganzen Markt zu sehr tiefen Kosten ab. Für die meisten Anleger genügen wenige ETFs, etwa ein globaler Aktien-ETF, ein Schweizer Aktien-ETF und je nach Strategie Ergänzungen wie kleinere Unternehmen, Immobilien oder Gold. Bei der Auswahl zählen Index, Kosten, Fondsgrösse, Domizil und ob Erträge ausgeschüttet oder wieder angelegt werden.

5. Broker wählen

Die Unterschiede zwischen den Anbietern in der Schweiz sind gross: Depotgebühren, Courtagen, Wechselkurse und Sparplanangebote variieren stark. Für kleine monatliche Beträge eignen sich Anbieter mit kostenlosen Sparplänen, für grössere Einmalanlagen solche mit tiefen Courtagen und fairen Devisenkursen.

6. Einstieg planen und dranbleiben

Bestehendes Vermögen kannst Du auf einmal oder gestaffelt über einige Monate investieren; monatliche Ersparnisse fliessen automatisch per Sparplan ins Depot. Einmal im Jahr wird überprüft, ob die Gewichtungen noch zur Strategie passen, und bei grösseren Abweichungen zurückgesetzt (Rebalancing). Kurzfristige Prognosen spielen dabei keine Rolle.

Warum Kosten so entscheidend sind

Einmalige Kaufkosten fallen über die Jahre kaum ins Gewicht, laufende Kosten dagegen enorm, weil sie jedes Jahr die Rendite schmälern. Das Beispiel zeigt eine monatliche Anlage von 300 Franken über 40 Jahre, insgesamt 144’000 Franken, bei einer Bruttorendite von 7 Prozent pro Jahr.

Laufende Kosten pro Jahr Nettorendite Vermögen nach 40 Jahren
1,5 % (typische Bank- oder Fondslösung) 5,5 % rund 506’300 Franken
0,4 % (kostengünstige ETF-Lösung) 6,6 % rund 671’600 Franken

Ein Kostenunterschied von gut einem Prozentpunkt kostet in diesem Beispiel rund 165’000 Franken. Die Rendite ist eine Annahme und keine Garantie.

Aktiv oder passiv anlegen?

Die Forschung ist hier ziemlich eindeutig. Eine Untersuchung von Professor Hendrik Bessembinder zeigt, dass nur rund 4 Prozent aller US-Aktien den gesamten langfristigen Vermögenszuwachs des Aktienmarkts erklären; die meisten Aktien schneiden schlechter ab als kurzfristige Staatsanleihen. Und über lange Zeiträume schlägt die grosse Mehrheit der aktiven Fonds ihren Vergleichsindex nicht. Wer den ganzen Markt kauft, ist bei den grossen Gewinnern automatisch dabei, ohne sie vorher finden zu müssen. Mehr dazu im Artikel Aktiv oder passiv investieren.

Passiv anlegen heisst aber nicht, nichts zu entscheiden. Strategie, Regionen, Instrumente, Rebalancing und Einstiegszeitpunkt sind alles bewusste Entscheidungen; sie werden nur auf der Ebene der Strategie getroffen statt aufgrund kurzfristiger Börsenprognosen.

Was gilt steuerlich beim Anlegen in der Schweiz?

  • Kursgewinne sind für Privatanleger steuerfrei.
  • Dividenden und Zinsen werden als Einkommen besteuert.
  • Das Depot unterliegt der kantonalen Vermögenssteuer.
  • Verrechnungssteuer von 35 Prozent auf Schweizer Dividenden wird über die Steuererklärung zurückerstattet.
  • Stempelabgabe fällt beim Kauf über einen Schweizer Broker an: 0,075 Prozent bei Schweizer, 0,15 Prozent bei ausländischen Wertschriften.

Vor allem für die Vorsorge lohnt sich zusätzlich die Säule 3a, weil Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können. Mehr dazu im Artikel Säule 3a mit ETF.

Einordnung aus der Praxis

Mein Ansatz lässt sich in einem Satz zusammenfassen: viele bewusste Entscheidungen auf Strategieebene, aber eine passive, kostengünstige Umsetzung im Kernportfolio. Daneben darf es einen kleinen Bereich für eigene Ideen und einzelne Aktien geben, als Spielplatz für Neugier und Freude am Investieren, aber nicht als Hauptlösung für den Vermögensaufbau. Wie ein solches Kernportfolio konkret aussieht und wie es sich entwickelt, zeigen unsere Musterportfolios, die wir jeden Monat transparent nachführen.

Die häufigste Frage, die ich höre, ist: «Soll ich jetzt noch einsteigen, nachdem die Börse so gut gelaufen ist?» Die ehrliche Antwort: Den perfekten Zeitpunkt kennt niemand. Wer langfristig anlegt und gestaffelt einsteigt, muss ihn auch nicht kennen. Teurer als ein ungünstiger Einstieg ist es fast immer, gar nicht anzufangen.

Häufige Fragen zum Geld anlegen in der Schweiz

Wie viel Geld brauche ich, um mit Anlegen zu beginnen?

Mit einem Sparplan kannst Du bereits ab 50 bis 100 Franken pro Monat starten. Wichtiger als der Betrag ist, früh und regelmässig anzulegen.

Wie viel Rendite ist realistisch?

Ein breit gestreutes Aktienportfolio hat langfristig in der Vergangenheit rund 6 bis 8 Prozent pro Jahr erzielt. Einzelne Jahre können aber deutlich negativ ausfallen; deshalb braucht es einen Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr.

Soll ich alles auf einmal investieren oder gestaffelt?

Statistisch schneidet die Einmalanlage meist besser ab, weil das Geld länger investiert ist. Ein gestaffelter Einstieg über einige Monate ist aber psychologisch oft leichter durchzuhalten. Beides ist besser, als gar nicht anzufangen.

Sind ETFs sicher?

ETFs sind Sondervermögen und bei einem Konkurs des Anbieters geschützt. Der Wert schwankt aber mit den Märkten, in denen sie investiert sind.

Muss ich Kursgewinne versteuern?

Nein. Für private Anleger in der Schweiz sind Kursgewinne steuerfrei. Dividenden und Zinsen werden als Einkommen, das Depot als Vermögen besteuert.

Weiterführend

In der how2invest Academy lernst Du Schritt für Schritt und ohne Vorwissen, wie Du Deine persönliche Anlagestrategie festlegst, die passenden ETFs auswählst und sie beim günstigsten Anbieter umsetzt, für bestehendes Vermögen, monatliches Sparen und die Säule 3a. Wer für Kinder vorsorgen möchte, findet die Details im Artikel Geld für Kinder anlegen.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene oder angenommene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Steuerliche Regeln unterscheiden sich je nach Kanton. Stand: Oktober 2026.