Kurz beantwortet: Für den grössten Teil des Vermögens ist passives Investieren mit breit gestreuten ETFs die bessere Wahl. Über lange Zeiträume schneiden rund 80 bis 90 Prozent der aktiven Fonds schlechter ab als ihr Vergleichsindex, vor allem wegen höherer Kosten. Passiv heisst aber nicht untätig: Strategie, Regionen, Produkte und Rebalancing sind bewusste Entscheidungen. Wer Freude an Einzelaktien hat, kann sie in einem kleinen Satellitenportfolio ergänzen.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 28. Oktober 2026.
Was heisst passiv investieren?
Passiv investieren bedeutet, nicht zu versuchen, den Markt zu schlagen, sondern ihn möglichst günstig abzubilden. Das geschieht mit Indexfonds oder ETFs, die einen ganzen Markt nachbilden, etwa den Schweizer Aktienmarkt oder die Weltwirtschaft. Statt auf einzelne Unternehmen zu setzen, besitzt man mit einem Produkt hunderte oder tausende davon. Die Gewichtung folgt der Grösse der Unternehmen und passt sich automatisch an.
Die Vorteile liegen auf der Hand: breite Streuung, tiefe Kosten und volle Transparenz darüber, was im Portfolio steckt.
Warum schlagen so wenige den Markt?
Vor Kosten erzielen alle Anleger zusammen genau die Marktrendite; was einer mehr verdient, verdient ein anderer weniger. Nach Kosten liegt der Durchschnitt deshalb zwingend unter dem Markt. Je höher Verwaltungsgebühren, Handelskosten und Umschichtungen, desto grösser der Rückstand. Aktive Fonds verlangen oft 1 bis 2 Prozent pro Jahr, ETFs häufig weniger als 0,2 Prozent.
Die Daten bestätigen das deutlich:
- Aktive Fonds: Über lange Zeiträume schneiden rund 80 bis 90 Prozent schlechter ab als ihr Vergleichsindex.
- Wenige Gewinneraktien: Eine Untersuchung von Professor Hendrik Bessembinder zeigt, dass nur rund 4 Prozent aller US-Aktien den gesamten langfristigen Vermögenszuwachs des Aktienmarkts erklären. Die Mehrheit der Aktien schneidet sogar schlechter ab als kurzfristige Staatsanleihen.
- Privatanleger: Eine Auswertung von über 30’000 Musterdepots auf der Plattform wikifolio ergab, dass über zehn Jahre nach Kosten nur rund 13 bis 14 Prozent zwei breite Welt-ETFs schlugen; konstant gelang das nur rund 4 Prozent.
Wer den ganzen Markt besitzt, muss die seltenen Ausnahmegewinner nicht finden. Er hat sie automatisch im Portfolio, und ihr Gewicht wächst mit ihrem Erfolg.
Was das Börsenjahr 2026 gezeigt hat
Das erste Halbjahr 2026 lieferte ein anschauliches Beispiel. In den USA waren die grossen Technologiekonzerne, die 2025 noch die Gewinner waren, zeitweise im Minus. Gleichzeitig legten Halbleiteraktien teilweise um über 100 Prozent zu. Wer bei den Gewinnern von gestern blieb, war enttäuscht; wer rechtzeitig umgeschichtet hätte, hätte stark profitiert. Vorhergesehen hat das kaum jemand. Wer breit im US-Markt investiert war, profitierte trotzdem, einfach weil er den Markt besass.
In der Schweiz zeigte sich dasselbe Muster: Im ersten Halbjahr 2026 legte ABB über 50 Prozent zu, während Partners Group fast 30 Prozent verlor. Zwischen der besten und der schlechtesten SMI-Aktie lagen rund 80 Prozentpunkte. Der SMI als Ganzes lag inklusive Dividenden über 10 Prozent im Plus. Genau diese solide Marktrendite ist das Ziel, statt auf die richtige oder falsche Einzelaktie zu wetten.
Passiv heisst nicht untätig: sieben Entscheidungen
Auch wer passiv investiert, trifft viele aktive Entscheidungen. Sie fallen nur auf der Ebene der Strategie statt bei der Frage nach der nächsten Trendaktie.
- Überhaupt starten: Ohne Entscheidung fürs Investieren gibt es keinen Vermögensaufbau.
- Asset-Allokation festlegen: Wie viel in Aktien, Obligationen, Immobilien, Gold und allenfalls Bitcoin? Diese Aufteilung erklärt den grössten Teil der langfristigen Rendite.
- Regionen gewichten: Ein MSCI-World-ETF besteht zu rund 70 Prozent aus US-Aktien, die Schweiz macht rund 2 Prozent aus. Wie viel Schweiz, Europa, USA und Schwellenländer passen zu Dir?
- Unternehmensgrösse berücksichtigen: Breite Indizes gewichten Grosskonzerne stark. Kleinere Unternehmen können die Streuung ergänzen.
- Instrumente auswählen: Es gibt tausende ETFs. Index, Kosten, Fondsgrösse, Domizil und Ertragsverwendung entscheiden über die Qualität.
- Rebalancing: Märkte entwickeln sich unterschiedlich, die Gewichtungen verschieben sich. Wann und wie wird auf die Zielstruktur zurückgesetzt?
- Einstieg und Verhalten: Einmalanlage, Sparplan oder gestaffelt? Und wie reagierst Du, wenn die Börse fällt?
Kern-Satelliten-Strategie: passiv im Kern, aktiv als Ergänzung
Passives Investieren ist wirksam, aber auch etwas langweilig. Viele Anleger möchten zusätzlich eigene Ideen umsetzen. Dafür eignet sich die Kern-Satelliten-Strategie:
- Kern: Der grösste Teil des Vermögens, breit gestreut, kostengünstig und passiv mit ETFs umgesetzt.
- Satelliten: Ein kleiner Teil für Einzelaktien, Themen oder taktische Ideen, als Raum für Neugier, Lernen und Freude am Investieren.
So arbeitet der Zinseszinseffekt im Kern zuverlässig, und Fehlentscheide im Satelliten bleiben begrenzt.
Einordnung aus der Praxis
Ich investiere selbst gerne in Einzelaktien und finde das weitaus spannender als ETFs. Trotzdem bleibe ich im Kern beim Markt, weil die Zahlen eindeutig sind und weil ich in vielen Gesprächen sehe, wie oft Anleger mit selbst zusammengestellten Einzelaktiendepots oder teuren aktiven Fonds hinter dem Markt zurückbleiben. Das liegt selten an fehlender Intelligenz, sondern daran, dass das Spiel mathematisch, statistisch und psychologisch extrem schwierig ist.
Mein Grundsatz lautet deshalb: viele bewusste Entscheidungen auf Strategieebene, eine passive Umsetzung im Kernportfolio und daneben ein kleiner Spielplatz für eigene Ideen. Wie das konkret aussieht, zeigen unsere Musterportfolios.
Mehr dazu hörst Du in der Podcast-Folge 149: Ein Plädoyer für das passive Investieren.
Häufige Fragen zu aktivem und passivem Investieren
Ist passives Investieren besser als aktives?
Für den Grossteil des Vermögens in der Regel ja. Über lange Zeiträume schneiden die meisten aktiven Fonds wegen höherer Kosten schlechter ab als der Index.
Kann man mit Einzelaktien den Markt schlagen?
Einzelnen gelingt es, aber nur wenigen dauerhaft. Bei Privatanlegern schlagen über zehn Jahre nur rund 13 bis 14 Prozent den Markt, konstant nur rund 4 Prozent.
Muss ich beim passiven Investieren gar nichts mehr tun?
Doch. Anlagestrategie, Regionen, ETF-Auswahl, Rebalancing und der Umgang mit Kursrückgängen sind bewusste Entscheidungen.
Was ist eine Kern-Satelliten-Strategie?
Der Kern des Vermögens wird breit und passiv mit ETFs angelegt; ein kleiner Satellitenteil steht für Einzelaktien oder eigene Ideen zur Verfügung.
Sind ETFs auch in Krisen sinnvoll?
Ja. Gerade in turbulenten Phasen verhindert ein breit gestreutes, regelbasiertes Portfolio emotionale Fehlentscheide. Wichtig ist eine Strategie, die zur eigenen Risikofähigkeit passt.
Weiterführend
Den Einstieg in sechs Schritten findest Du im Grundlagenartikel Geld anlegen in der Schweiz. In der how2invest Academy zeige ich Dir, wie Du Deine persönliche Anlagestrategie festlegst und mit ETFs umsetzt. In den monatlichen Live Calls besprechen wir zudem die Einzelaktien-Portfolios Value-Depot und Zukunfts-Depot als Beispiel für einen Satellitenteil.
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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Kursentwicklungen beziehen sich auf das erste Halbjahr 2026; vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.