Kurz beantwortet: Mit einem ETF-Sparplan investierst Du jeden Monat automatisch einen festen Betrag in breit gestreute Aktien-ETFs. Der wichtigste Faktor ist nicht die Höhe, sondern der Start: Wer 200 Franken pro Monat über 25 Jahre anlegt, kommt bei 7 Prozent Rendite auf rund 162’000 Franken. Wer drei Jahre wartet, hat am Ende rund 37’000 Franken weniger, mehr als die Hälfte der eigenen Einzahlungen.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 28. Oktober 2026.
Was ist ein ETF-Sparplan?
Bei einem Sparplan legst Du einmal fest, welchen Betrag Du in welche ETFs investierst, und die Bank oder der Broker führt die Käufe danach automatisch aus, meist monatlich. Du musst Dich weder um den richtigen Zeitpunkt kümmern noch jeden Monat neu entscheiden. Viele Anbieter in der Schweiz bieten Sparpläne ab 50 oder 100 Franken pro Monat an, teilweise ohne Transaktionsgebühr.
Der Sparplan nutzt zwei Effekte: den Zinseszinseffekt, weil Erträge wieder investiert werden, und den Durchschnittskosteneffekt. Bei tiefen Kursen kaufst Du mit demselben Betrag automatisch mehr Anteile, bei hohen Kursen weniger. So erhältst Du über die Zeit einen guten durchschnittlichen Einstandspreis, ohne den Markt timen zu müssen.
Was kostet es, mit dem Investieren zu warten?
Die häufigste Frage, die ich höre, lautet: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Die ehrlichere Frage wäre: Was kostet es mich, nicht zu starten? Die folgende Tabelle zeigt einen Sparplan von 200 Franken pro Monat bei einer angenommenen Rendite von 7 Prozent pro Jahr mit Ziel in 25 Jahren.
| Start | Anlagedauer | Eingezahlt | Endvermögen | Differenz zum sofortigen Start |
|---|---|---|---|---|
| Sofort | 25 Jahre | 60’000 Franken | rund 162’000 Franken | Referenz |
| In einem Jahr | 24 Jahre | 57’600 Franken | rund 149’000 Franken | rund 13’000 Franken weniger |
| In drei Jahren | 22 Jahre | 52’800 Franken | rund 125’000 Franken | rund 37’000 Franken weniger |
Drei Jahre Zögern kosten in diesem Beispiel mehr als die Hälfte dessen, was Du über die ganze Zeit selbst einzahlst. Dasselbe gilt für höhere Beträge: 250 Franken pro Monat wachsen über 20 Jahre auf rund 130’000 Franken, über 17 Jahre nur auf rund 98’000 Franken.
Jeder nicht investierte Franken hat einen Preis
Ökonomen sprechen von Opportunitätskosten: dem Ertrag, der Dir entgeht, weil Du eine Gelegenheit nicht nutzt. Wie gross dieser Preis ist, hängt vom Anlagehorizont ab. Bei 7 Prozent Rendite pro Jahr wird aus einem einzelnen Franken:
| Alter beim Investieren | Anlagehorizont bis 65 | Aus 1 Franken werden |
|---|---|---|
| 20 | 45 Jahre | rund 21 Franken |
| 30 | 35 Jahre | rund 10.70 Franken |
| 40 | 25 Jahre | rund 5.40 Franken |
| 50 | 15 Jahre | rund 2.75 Franken |
| 60 | 5 Jahre | rund 1.40 Franken |
Mit 65 endet der Anlagehorizont übrigens nicht. Bei einer Lebenserwartung von 20 Jahren und mehr nach der Pensionierung bleibt ein Teil des Vermögens noch lange investiert.
Auch in der Säule 3a lohnt sich der frühe Start
Wer jedes Jahr 5’000 Franken in eine Säule 3a mit Wertschriften einzahlt, kommt bei 7 Prozent Rendite nach 20 Jahren auf rund 205’000 Franken, bei rund 100’000 Franken eigenen Einzahlungen. Wer erst drei Jahre später beginnt, hat nach 17 Jahren rund 154’000 Franken, also rund 50’000 Franken weniger. Mehr dazu im Artikel Säule 3a mit ETF.
Wie viel Reserve brauche ich vor dem Start?
Bevor Du investierst, sollte eine Liquiditätsreserve für Unvorhergesehenes stehen. Die Höhe ist eine persönliche Entscheidung. Sie sollte die wichtigsten Risiken abdecken, etwa die Franchise der Krankenkasse oder eine Überbrückung bei Arbeitslosigkeit von ein bis zwei Monaten. Sehr hohe Reserven von sechs Monatslöhnen und mehr kosten dagegen über die Jahre viel Rendite. In der Schweiz liegen besonders viele Ersparnisse auf Konten, und genau dort verlieren sie real an Wert, sobald die Teuerung höher ist als der Zins.
Wichtig ist die Trennung: Die Notreserve bleibt auf dem Konto. Geld, das Du für spätere Kaufgelegenheiten bereithältst, ist keine Notreserve, sondern Teil Deiner Anlagestrategie.
So richtest Du einen ETF-Sparplan ein
- Betrag festlegen: Wähle einen Betrag, den Du auch in schwierigen Monaten durchhältst. Lieber klein starten und später erhöhen.
- Strategie bestimmen: Aktienquote und Regionen passend zu Deinem Anlagehorizont festlegen.
- ETFs auswählen: Breit gestreute, kostengünstige und thesaurierende ETFs eignen sich besonders, weil Erträge automatisch wieder angelegt werden.
- Anbieter vergleichen: Bei kleinen monatlichen Beträgen fallen Transaktions- und Depotgebühren stark ins Gewicht. Sparpläne ohne Courtage sind klar im Vorteil.
- Automatisieren: Dauerauftrag auf den Zahltag legen, damit zuerst investiert und erst danach ausgegeben wird.
- Dranbleiben: Den Sparplan auch bei fallenden Kursen weiterlaufen lassen. Gerade dann kaufst Du günstig.
Einordnung aus der Praxis
Ich investiere selbst seit über zehn Jahren mit einem monatlichen Sparplan in den Aktienmarkt. Den Kursverlauf beobachte ich dabei kaum, der Sparplan läuft einfach. Die häufigsten Gründe, die ich für das Aufschieben höre, sind fehlende Zeit, eine Weiterbildung oder die Familie. Das verstehe ich gut. Der Einstieg braucht aber weniger Zeit, als viele denken, und jedes Jahr Zuwarten kostet spürbar Geld.
Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 24: Der Preis des Zögerns, 40: Prokrastination kostet Dich Zehntausende von Franken und 87: Jeder nicht investierte Franken kostet Dich 22 Franken.
Häufige Fragen zum ETF-Sparplan
Ab wie viel Geld lohnt sich ein ETF-Sparplan?
Bereits ab 50 bis 100 Franken pro Monat, sofern die Gebühren tief sind. Entscheidend ist, früh zu beginnen und regelmässig einzuzahlen.
Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um mit einem Sparplan zu starten?
Beim Sparplan spielt der Zeitpunkt eine untergeordnete Rolle, weil Du über viele Jahre zu unterschiedlichen Kursen kaufst. Wichtiger ist, überhaupt zu beginnen.
Was ist der Durchschnittskosteneffekt?
Wenn Du regelmässig denselben Betrag investierst, kaufst Du bei tiefen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile. Daraus ergibt sich über die Zeit ein ausgeglichener durchschnittlicher Einstandspreis.
Wie viel Notreserve sollte ich haben?
So viel, dass die wichtigsten Risiken gedeckt sind, etwa die Franchise der Krankenkasse und eine kurze Überbrückung bei Stellenverlust. Alles darüber hinaus verliert auf dem Konto real an Wert.
Soll ich den Sparplan bei fallenden Kursen stoppen?
Nein. Gerade bei tiefen Kursen kaufst Du günstig ein. Wer den Sparplan in Krisen stoppt, verzichtet auf den grössten Vorteil des regelmässigen Investierens.
Weiterführend
Wie stark der Zinseszinseffekt über Jahrzehnte wirkt, zeigt der Artikel Zinseszins: So wird aus kleinen Beträgen eine Million. In der how2invest Academy zeige ich Dir Schritt für Schritt, wie Du Deine Strategie festlegst, die passenden ETFs auswählst und Deinen Sparplan beim richtigen Anbieter einrichtest.
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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die Rechenbeispiele beruhen auf einer angenommenen Rendite von 7 Prozent pro Jahr mit monatlicher Verzinsung; vergangene oder angenommene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.