Wie schütze ich mich vor Inflation? Geld anlegen gegen Kaufkraftverlust. how2invest Ratgeber

Wie schütze ich mich vor Inflation? Geld anlegen gegen Kaufkraftverlust

Kurz beantwortet: Gegen Inflation schützt Du Dich nicht mit Sparen, sondern mit Investieren in Sachwerte. Bei 2 Prozent Teuerung verliert Geld auf dem Konto in 20 Jahren rund einen Drittel seiner Kaufkraft. Schweizer Aktien haben seit 1900 nach Abzug der Teuerung rund 4,6 Prozent pro Jahr erzielt, Obligationen rund 1,8 Prozent. Ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, ergänzt um Immobilien und Gold, ist der wirksamste langfristige Inflationsschutz.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.

Was Inflation mit Deinem Ersparten macht

Inflation bedeutet, dass Waren und Dienstleistungen teurer werden und Du für denselben Franken weniger kaufen kannst. Das Tückische: Der Betrag auf dem Konto bleibt gleich, nur seine Kaufkraft sinkt. Wir denken in nominalen Zahlen und übersehen den realen Verlust.

Teuerung pro Jahr Kaufkraft von 10’000 Franken nach 10 Jahren nach 20 Jahren nach 40 Jahren
1 % rund 9’050 Franken rund 8’200 Franken rund 6’700 Franken
2 % rund 8’200 Franken rund 6’700 Franken rund 4’500 Franken
3 % rund 7’450 Franken rund 5’550 Franken rund 3’070 Franken

Anders gesagt: Bei 2 Prozent Teuerung kostet der Kaffee, der heute 5 Franken kostet, in 20 Jahren rund 7.40 Franken. In der Schweiz lag die Teuerung seit 1900 im Durchschnitt bei rund 2 Prozent pro Jahr. In den letzten Jahren schwankte sie stark, von nahe null bis rund 3,5 Prozent im Jahr 2022. Dazu kommen Kosten, die in der Teuerungsstatistik nur teilweise erscheinen, etwa steigende Krankenkassenprämien oder Immobilienpreise.

Warum das Sparkonto nicht schützt

Ein Sparkonto schützt nur dann vor Inflation, wenn der Zins über der Teuerung liegt. Das war in der Schweiz in den letzten Jahren kaum je der Fall. Seit die Schweizerische Nationalbank den Leitzins 2025 wieder auf null gesenkt hat, bringen Sparkonten oft nur noch wenige Zehntelprozente. Wer sein Geld dort lässt, wählt bewusst oder unbewusst die Anlageklasse Liquidität und damit einen schleichenden, aber garantierten Kaufkraftverlust.

Wir Schweizerinnen und Schweizer sind Weltmeister im Sparen und im Versichern, aber nicht im Investieren. Die Sparquote liegt bei über 20 Prozent, und ein grosser Teil davon bleibt auf Konten. Sicherheit ist wichtig, aber zu viel davon kostet über die Jahre sehr viel Geld.

Welche Anlagen schützen vor Inflation?

Anlage Schutz vor Inflation Zu beachten
Aktien Langfristig hoch. Unternehmen können steigende Kosten über höhere Preise weitergeben. Kurzfristig starke Schwankungen; langer Anlagehorizont nötig
Immobilien Gut. Mieten und Liegenschaftswerte steigen mit der Teuerung. Direkt viel Kapital nötig; indirekt über Immobilienfonds möglich
Gold Langfristiger Werterhalt, besonders in Krisen gefragt Keine laufenden Erträge; starke Schwankungen
Obligationen Gering. Fixe Zinsen verlieren bei steigender Teuerung an Wert. Bei tiefen Zinsen kaum reale Rendite
Konto und Bargeld Keiner, solange der Zins unter der Teuerung liegt Als Notreserve trotzdem nötig

Langfristige Daten zum Schweizer Kapitalmarkt zeigen den Unterschied deutlich: Seit 1900 erzielten Schweizer Aktien nach Abzug der Teuerung rund 4,6 Prozent pro Jahr, Obligationen rund 1,8 Prozent. Über ein Anlegerleben macht dieser Unterschied ein Vielfaches aus.

Warum Unternehmen mit Inflation gut umgehen können

Für Unternehmen ist Inflation meist kein grosses Problem. Sie bezahlen zwar mehr für Rohstoffe und Löhne, verkaufen ihre Produkte aber ebenfalls zu höheren Preisen. Entscheidend ist die Marge. Wer Aktien besitzt, ist an diesen Unternehmen beteiligt und profitiert davon, dass Umsätze, Gewinne und Dividenden mit der Teuerung mitwachsen. Die Dividendenausschüttungen der Schweizer Unternehmen sind über die letzten Jahre fast jedes Jahr gestiegen.

Gleichzeitig steigt die Produktivität der Wirtschaft laufend, während die Reallöhne in der Schweiz in einzelnen Jahren gesunken sind. Wer nur von seinem Lohn lebt, spürt die Teuerung direkt. Wer zusätzlich investiert, ist auch am Produktivitätsgewinn beteiligt.

So schützt Du Dich in fünf Schritten

  1. Notreserve festlegen: Nur so viel auf dem Konto halten, wie Du für Unvorhergesehenes und die nächsten Ausgaben brauchst.
  2. Langfristiges Geld investieren: Alles, was Du mehr als zehn Jahre nicht brauchst, gehört vorwiegend in Aktien.
  3. Breit streuen: Schweizer und internationale Aktien, ergänzt um Immobilien und Gold, verteilen das Risiko.
  4. Säule 3a investieren: Auch Vorsorgegeld auf dem 3a-Konto verliert real an Wert. Eine Wertschriftenlösung schützt besser.
  5. Kosten tief halten: Bei einer realen Rendite von 4 bis 5 Prozent fressen 2 Prozent Kosten fast die Hälfte des Inflationsschutzes auf.

Einordnung aus der Praxis

In Beratungen sehe ich oft beträchtliche Summen auf Spar- und 3a-Konten, die dort seit Jahren liegen, aus dem Wunsch nach Sicherheit. Viele merken erst bei einem Vergleich, wie viel Kaufkraft dabei verloren gegangen ist. Nicht zu investieren ist eben auch eine Entscheidung, und zwar die einzige mit garantiertem realem Verlust. Wer langfristig in Sachwerte investiert, nimmt zwar Schwankungen in Kauf, wird dafür aber mit einem echten Kaufkraftgewinn entschädigt.

Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 14: Wie schütze ich mich vor Inflation? und 131: Börse gleich Casino?

Häufige Fragen zum Inflationsschutz

Wie schütze ich mein Geld vor Inflation?

Indem Du Geld, das Du langfristig nicht brauchst, in Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold investierst. Auf dem Konto sollte nur die Notreserve bleiben.

Wie viel Kaufkraft verliere ich durch Inflation?

Bei 2 Prozent Teuerung pro Jahr verliert Geld in 20 Jahren rund einen Drittel seiner Kaufkraft und in 40 Jahren mehr als die Hälfte.

Sind Aktien ein guter Inflationsschutz?

Langfristig ja. Schweizer Aktien haben seit 1900 rund 4,6 Prozent pro Jahr über der Teuerung rentiert. Kurzfristig können sie aber stark schwanken.

Ist Gold ein Schutz vor Inflation?

Gold hat seine Kaufkraft über lange Zeiträume erhalten und ist in Krisen gefragt. Es wirft aber keine laufenden Erträge ab und eignet sich deshalb eher als Beimischung.

Lohnt sich ein Sparkonto noch?

Für die Notreserve und kurzfristig benötigtes Geld ja. Für langfristigen Vermögensaufbau nicht, solange der Zins unter der Teuerung liegt.

Weiterführend

Warum Aktien langfristig mehr bringen als Obligationen, erklärt der Artikel Warum Aktien langfristig steigen: die Risikoprämie. Wie Du Dein Vermögen nach Anlagehorizont aufteilst, zeigt Die passende Anlagestrategie für jede Lebensphase. In der how2invest Academy lernst Du, ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Immobilien und Gold kostengünstig umzusetzen.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die historischen Renditen beruhen auf langfristigen Auswertungen zum Schweizer Kapitalmarkt; vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.