Finanzielle Bildung: So wirst Du zum Profi-Anleger. how2invest Ratgeber

Finanzielle Bildung: So wirst Du zum Profi-Anleger

Kurz beantwortet: Finanzielle Bildung ist der wichtigste Schritt zum erfolgreichen Anleger. In der Schweiz versteht rund die Hälfte der Bevölkerung Grundbegriffe wie Zins, Inflation und Risiko nur ungenügend, und fehlendes Wissen ist der häufigste Grund, nicht zu investieren. Mit etwa einer Stunde pro Woche, klaren Zielen, einem Budget und einer festen Investitionsquote kannst Du in wenigen Monaten selbständig und professionell anlegen.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.

Teste Dein Finanzwissen

In der Forschung werden weltweit drei Standardfragen verwendet, um das Finanzwissen zu messen. Beantworte sie, bevor Du weiterliest:

  1. Du hast 100 Franken auf einem Sparkonto mit 2 Prozent Zins pro Jahr und lässt das Geld fünf Jahre liegen. Ist das Guthaben danach höher als 110 Franken, genau 110 Franken oder tiefer?
  2. Dein Sparkonto bringt 1 Prozent Zins, die Teuerung beträgt 2 Prozent. Kannst Du nach einem Jahr mit dem Guthaben mehr, gleich viel oder weniger kaufen als heute?
  3. Richtig oder falsch: Eine Anlage in die Aktie eines einzelnen Unternehmens ist weniger riskant als eine Anlage in einen Aktienfonds.

Auflösung: 1. Höher, nämlich 110.41 Franken, wegen des Zinseszinses. 2. Weniger, weil die Teuerung höher ist als der Zins. 3. Falsch, ein Fonds verteilt das Risiko auf viele Unternehmen. Wer alle drei Fragen richtig beantwortet, ist auf gutem Weg. Studien zeigen, dass in der Schweiz rund die Hälfte der Menschen Mühe mit solchen Grundbegriffen hat.

Warum so viele nicht investieren

Eine repräsentative Studie der Hochschule Luzern im Auftrag von PostFinance mit über 3’100 Befragten zeigt, warum rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung nicht in Wertschriften investiert:

Aussage von Nichtanlegern Zustimmung
Mir fehlt das generelle Wissen über Anlageprodukte. 70 %
Mein Vermögen ist zu klein, um am Finanzmarkt zu investieren. 66 %
Beim Geldanlegen fürchte ich mich davor, Fehler zu machen. 63 %
Börsen sind wie Casinos. knapp die Hälfte
Anlegen ist nur etwas für Reiche. 41 %

Der typische Anleger in der Schweiz ist männlich, eher älter, gut ausgebildet und vermögend. Frauen stimmen den Hemmnissen deutlich häufiger zu. Finanzielles Wissen ist damit ungleich verteilt, und mit ihm die Chance, Vermögen aufzubauen. Fehlendes Wissen, Angst vor Fehlern und der Irrglaube, zu wenig Geld zu haben, lassen sich aber alle mit Bildung überwinden.

Finanzielle Bildung bringt mehr als Rendite

Internationale Studien zeigen, dass finanzielle Bildung weit über bessere Anlageentscheide hinaus wirkt:

  • Weniger impulsive Entscheidungen: Wer finanziell gebildet ist, kontrolliert Impulse besser, beim Geld und im Alltag.
  • Bessere Zukunftsorientierung der Kinder: Finanziell gebildete Eltern geben ihr Wissen und ihre Haltung an ihre Kinder weiter.
  • Mehr Zufriedenheit im Beruf: Wer seine Finanzen im Griff hat, arbeitet entspannter und motivierter.
  • Weniger Stress: Geldsorgen belasten die Psyche; finanzielle Sicherheit entlastet.
  • Mehr Selbstvertrauen: Wer Finanzentscheide versteht, tritt auch sonst selbstbewusster auf.

Fünf Schritte zum finanziellen Erfolg

  1. Eine Stunde pro Woche für Dein Geld: Verschaffe Dir einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben und erstelle ein Budget. Viele wissen, was hereinkommt, aber nicht, wohin es fliesst.
  2. Einkommen erhöhen: Bereite Lohngespräche gut vor und zeige Deinen Mehrwert auf. Ein höheres Einkommen schafft Spielraum zum Investieren.
  3. Weiterbilden: Bücher, Podcasts und strukturierte Kurse. Wähle Quellen sorgfältig aus, denn im Internet gibt es auch viel Fragwürdiges.
  4. Positiv über Geld sprechen: In der Schweiz ist Geld oft ein Tabu. Sprich mit Freunden und Familie darüber oder suche Gleichgesinnte. Das motiviert und hilft beim Lernen.
  5. Einkommen in Töpfe aufteilen: Direkt nach dem Zahltag Beträge für Lebenshaltung, Vorsorge (Säule 3a), Investitionen, Rücklagen für grössere Ausgaben und Spielgeld festlegen. Investiere zuerst, idealerweise rund 10 Prozent Deines Einkommens, und gib danach aus.

Finanzielle Ziele setzen

Ziele geben dem Investieren eine Richtung, motivieren und machen Fortschritte messbar. Teile sie nach Zeithorizont ein:

Zeithorizont Beispiele Passende Umsetzung
Kurzfristig (bis 2 Jahre) Notreserve, Ferien, Möbel, Weiterbildung, Hochzeit Konto
Mittelfristig (3 bis 7 Jahre) Eigenheim, Auto, Weltreise, Selbständigkeit Je nach Horizont vorsichtig gemischt oder liquide
Langfristig (über 7 bis 10 Jahre) Altersvorsorge, Frühpensionierung, Ausbildung der Kinder, finanzielle Unabhängigkeit Vorwiegend breit gestreute Aktien

Formuliere Deine Ziele konkret, messbar, realistisch und motivierend, schreibe sie auf und besprich sie mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner.

Was es braucht, um zum Profi-Anleger zu werden

  • Wissen: Ohne Grundlagen wird aus Investieren schnell Raten. Rund 20 bis 25 Stunden konzentriertes Lernen reichen für ein solides Fundament, verteilt etwa auf zwei Monate mit drei Stunden pro Woche.
  • Erfahrung: Sie kommt nur, wenn Du startest. Jeder Tag Zuwarten kostet Rendite.
  • Disziplin: Eine Strategie wirkt nur, wenn Du sie auch in schwierigen Phasen durchziehst.
  • Investment first: Der Investitionsbetrag hat im Budget Vorrang, nicht der Rest am Monatsende.

Einordnung aus der Praxis

Finanzielle Bildung ist für mich eine Herzensangelegenheit. Nach über 25 Jahren in der Anlageberatung, zuerst für vermögende Privatkunden und danach für institutionelle Anleger, bin ich überzeugt: Das Wissen, wie Profis investieren, sollte jeder und jedem zugänglich sein, nicht nur den Vermögenden. In der Schule wird es leider kaum vermittelt. Genau deshalb habe ich die how2invest Academy aufgebaut. Die beste Investition, die Du tätigen kannst, ist die in Dich selbst.

Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 1: Finanzielle Bildung, Spaltung unserer Gesellschaft?, 21: Finanzielle Bildung ist viel mehr als Geld, 47: So wirst Du zum Profi-Anleger und 73: Die 5 Schritte zum finanziellen Erfolg.

Häufige Fragen zur finanziellen Bildung

Was ist finanzielle Bildung?

Das Wissen und die Fähigkeiten, um gute Entscheidungen rund um Geld zu treffen: Budget, Sparen, Vorsorge, Investieren und das Verständnis von Begriffen wie Zins, Inflation und Risiko.

Wie viel Zeit brauche ich, um investieren zu lernen?

Für ein solides Fundament reichen rund 20 bis 25 Stunden, verteilt auf einige Wochen. Danach wächst das Wissen mit der Erfahrung.

Ab welchem Betrag lohnt sich Investieren?

Bereits ab kleinen monatlichen Beträgen. Der Glaube, das Vermögen sei zu klein, ist einer der häufigsten Irrtümer.

Wie viel meines Einkommens sollte ich investieren?

Als Richtwert rund 10 Prozent, zusätzlich zur Säule 3a. Wichtiger als die genaue Höhe ist, den Betrag fix einzuplanen und zuerst zu investieren.

Wie setze ich mir finanzielle Ziele?

Teile sie in kurz-, mittel- und langfristige Ziele ein, formuliere sie konkret und messbar, schreibe sie auf und überprüfe sie regelmässig.

Weiterführend

Den Einstieg in sechs Schritten zeigt der Grundlagenartikel Geld anlegen in der Schweiz. Die häufigsten Fehler am Anfang erklärt Anlegerfehler und psychologische Fallen. In der how2invest Academy lernst Du Schritt für Schritt, wie Profis investieren.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Stand: Oktober 2026.