Kurz beantwortet: Börsenkrisen gehören zum Investieren dazu, und historisch haben sich die Aktienmärkte nach jeder Krise erholt, meist schneller als befürchtet. Seit 1932 dauerten Bärenmärkte beim US-Aktienmarkt im Durchschnitt rund eineinhalb Jahre, Aufwärtsphasen rund fünf Jahre. Wer langfristiges Geld investiert, breit streut und einen Plan hat, kann Krisen gelassen aussitzen und sogar für günstige Käufe nutzen.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 28. Oktober 2026.
Bullen- und Bärenmärkte: wie Börsenzyklen verlaufen
Aktienmärkte steigen nicht gleichmässig, sondern in Zyklen. Steigen die Kurse um 20 Prozent und mehr, spricht man von einem Bullenmarkt; fallen sie vom Höchststand um 20 Prozent und mehr, von einem Bärenmarkt. Eine Auswertung des S&P 500 seit 1932 zeigt ein klares Muster:
| Bullenmarkt | Bärenmarkt | |
|---|---|---|
| Anzahl seit 1932 | 15 | 14 |
| Durchschnittliche Dauer | rund 5 Jahre | rund 1,5 Jahre |
| Durchschnittliche Kursveränderung | rund plus 178 % | rund minus 35 % |
Auf- und Abwärtsphasen kommen also etwa gleich häufig vor, doch die Aufwärtsphasen dauern rund dreimal so lange und bringen deutlich mehr, als die Abwärtsphasen kosten. Genau daraus entsteht die langfristige Rendite des Aktienmarkts.
Die grossen Krisen der letzten Jahrzehnte
| Krise | Rückgang | Erholung |
|---|---|---|
| Schwarzer Montag, Oktober 1987 | Dow Jones minus 22,6 % an einem einzigen Tag | Vorkrisenniveau nach rund 15 Monaten |
| Dotcom-Blase, 2000 bis 2003 | S&P 500 rund minus 49 % über zweieinhalb Jahre | Danach fünf Jahre Aufwärtsphase mit rund plus 100 % |
| Finanzkrise, 2007 bis 2009 | S&P 500 rund minus 57 % | Danach fast elf Jahre Aufwärtsphase mit rund plus 400 % |
| Corona-Crash, Frühling 2020 | S&P 500 rund minus 34 % in nur rund einem Monat | Neue Höchststände nach rund fünf Monaten |
| Zinswende, 2022 | S&P 500 rund minus 25 % | Ab Oktober 2022 neue Aufwärtsphase |
Geopolitische Ereignisse wie der Golfkrieg 1990, die Terroranschläge vom 11. September 2001 oder der russische Angriff auf die Ukraine 2022 lösten kurzfristig teils heftige Kursreaktionen aus. Die Märkte haben sie jedoch jeweils innerhalb von Wochen bis Monaten verarbeitet.
Warum auf Krisen oft höhere Kurse folgen
Der Ablauf ist bei vielen Krisen ähnlich. Zuerst flüchten Anleger aus Aktien, Immobilien und anderen risikoreichen Anlagen in Liquidität. Danach reagieren Notenbanken und Regierungen: Sie senken die Zinsen, stellen Liquidität bereit und lancieren Konjunkturprogramme. Dieses zusätzliche Geld sucht Rendite und fliesst über kurz oder lang wieder in produktive Sachwerte, allen voran Aktien.
Dazu kommt das Wachstum der Unternehmen selbst. Erfolgreiche Firmen steigern ihre Gewinne über die Jahre trotz aller Krisen deutlich. Microsoft beispielsweise hat seinen Gewinn zwischen 2015 und 2025 ungefähr verachtfacht. Wer breit investiert ist, ist an diesem Wachstum automatisch beteiligt.
Was ein Einstieg am schlechtesten Tag gekostet hätte
Am Beispiel des Schweizer Aktienmarkts (SPI) lässt sich zeigen, wie viel der Einstiegszeitpunkt bei langfristigem Anlegen tatsächlich ausmacht. Die Finanzkrise drückte den SPI von rund 6’670 Punkten im Juni 2007 auf rund 3’410 Punkte im März 2009, ein Minus von rund 49 Prozent.
| Einstieg | Rendite pro Jahr über 10 Jahre | Rendite pro Jahr bis August 2025 (rund 16 bis 18 Jahre) |
|---|---|---|
| Am Höchststand Juni 2007 | 3,9 % | 5,1 % |
| Mitten im Rückgang | 7,5 % | 7,4 % |
| Am Tiefpunkt März 2009 | 12,8 % | über 10 % |
Selbst wer am denkbar ungünstigsten Tag eingestiegen ist und zuerst fast die Hälfte verloren hat, erzielte über die Jahre eine solide positive Rendite. Ähnlich bei Corona: Ein Einstieg am Höchststand im Februar 2020 ergab bis August 2025 rund 3,6 Prozent pro Jahr, ein Einstieg am Tiefpunkt im März 2020 rund 9,5 Prozent.
So kommst Du gelassen durch die nächste Krise
- Nur langfristiges Geld investieren: Geld, das Du in den nächsten Jahren brauchst, gehört nicht an die Börse. Dann musst Du in einer Krise nie zum falschen Zeitpunkt verkaufen.
- Breit streuen: Ein global diversifiziertes Portfolio hat sich nach jeder Krise erholt, einzelne Aktien nicht unbedingt.
- Einen Plan haben: Lege vorher fest, wie Du auf Kursrückgänge reagierst, etwa mit Nachkäufen in Tranchen.
- Sparplan weiterlaufen lassen: Wer monatlich investiert, kauft in Krisen automatisch günstiger ein und darf sich über tiefere Kurse eigentlich freuen.
- Weniger Nachrichten konsumieren: Schlagzeilen über Crash und Blasen verunsichern, sagen aber nichts über Deine langfristige Rendite.
- Begleitung suchen: Ein Sparringpartner, der die Lage nüchtern einordnet, hilft, in turbulenten Phasen keine Fehlentscheide zu treffen.
Einordnung aus der Praxis
Ich habe in über 25 Jahren an den Finanzmärkten die Dotcom-Blase, die Finanzkrise, den Corona-Crash und zahlreiche kleinere Korrekturen miterlebt, die Finanzkrise mitten in einer Bank. In jeder dieser Phasen schien die Welt aus den Fugen. Und jedes Mal waren diejenigen im Vorteil, die investiert geblieben sind. Wenn die Märkte unruhig werden, klingelt bei mir das Telefon häufiger, und das ist gut so. Mein Rat ist fast immer derselbe: Strategie überprüfen, nicht in Panik verkaufen und tiefere Kurse als Chance sehen.
Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 91: Krisen führen zu höheren Aktienkursen, 112: So kommst Du entspannt durch jede Aktienmarkt-Krise und 128: 5 zu 1,5 für die Bullen.
Häufige Fragen zu Börsenkrisen
Wie lange dauert ein Bärenmarkt durchschnittlich?
Beim US-Aktienmarkt seit 1932 im Durchschnitt rund eineinhalb Jahre, bei einem durchschnittlichen Rückgang von rund 35 Prozent. Bullenmärkte dauerten im Schnitt rund fünf Jahre.
Soll ich in einer Börsenkrise verkaufen?
Für langfristig investiertes Geld in der Regel nicht. Wer verkauft, macht Buchverluste definitiv und verpasst oft die Erholung, die meist abrupt einsetzt.
Ist eine Krise ein guter Zeitpunkt zum Einstieg?
Historisch ja. Wer unter früheren Höchstständen kauft, erhält mehr Anteile für sein Geld. Den Tiefpunkt trifft niemand, deshalb empfiehlt sich ein gestaffelter Einstieg.
Wie schnell haben sich die Märkte nach Krisen erholt?
Sehr unterschiedlich: nach dem Corona-Crash in rund fünf Monaten, nach der Finanzkrise in mehreren Jahren. Breit gestreute Portfolios haben sich bisher nach jeder Krise erholt.
Was ist der Unterschied zwischen Korrektur und Bärenmarkt?
Von einer Korrektur spricht man bei einem Rückgang von 10 bis 20 Prozent, von einem Bärenmarkt ab 20 Prozent vom letzten Höchststand.
Weiterführend
Wie Du Kursrückgänge mit festen Regeln für Zukäufe nutzt, erklärt der Artikel Antizyklisch investieren. Warum der Einstiegszeitpunkt weniger zählt als die Zeit im Markt, zeigt der Artikel Der richtige Zeitpunkt zum Investieren. In der how2invest Academy baust Du eine Strategie auf, die Du auch in Krisen durchhältst.
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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die Kennzahlen zu Bullen- und Bärenmärkten beziehen sich auf den S&P 500 bis Ende Oktober 2025, die SPI-Auswertungen auf den Stand August 2025. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.