Kurz beantwortet: Gemischte Anlagefonds, auch Strategiefonds genannt, sind bequem, aber meist teuer. Laufende Kosten von 1 bis 2 Prozent pro Jahr fressen einen grossen Teil der Rendite, und beim Obligationenanteil bleibt nach Kosten oft nichts übrig. Über 20 Jahre kann der Unterschied zwischen 0,2 und 2 Prozent Kosten über 100’000 Franken ausmachen. Mit einer eigenen Strategie aus wenigen ETFs erreichst Du dieselbe Streuung deutlich günstiger.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 28. Oktober 2026.
Was ist ein gemischter Anlagefonds?
Ein gemischter Anlagefonds kombiniert mehrere Anlageklassen in einem einzigen Produkt: Aktien, Obligationen und teilweise Immobilien, Rohstoffe oder Hedgefonds. Banken und Versicherungen bieten sie unter Namen wie Strategiefonds, Anlagezielfonds oder Portfoliofonds an, meist in Varianten wie Ertrag (Yield), Ausgewogen oder Wachstum.
Typischerweise landet man so: Im Beratungsgespräch wird mit einem Fragebogen oder Analysetool das Risikoprofil ermittelt, daraus folgt eine Strategieklasse, und als Umsetzung wird ein passender Strategiefonds vorgeschlagen. Das betrifft vor allem Privatkunden mit Vermögen bis 100’000 Franken, teilweise auch bis zu einer Million.
Die Nachteile von Strategiefonds
- Hohe Gebühren: Die laufenden Kosten liegen meist zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr, oft näher bei 2 Prozent. Dazu kommen teilweise Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren.
- Mangelnde Transparenz: Die Zusammensetzung kann laufend angepasst werden. Wo Dein Geld genau investiert ist und welche Risiken damit verbunden sind, ist schwer nachzuvollziehen.
- Wenig Flexibilität: Der Fondsmanager entscheidet über die Aufteilung. Du kannst einzelne Anlageklassen weder weglassen noch anders gewichten.
- Teurer Obligationenanteil: Defensive Varianten investieren bis zur Hälfte in Obligationen, deren Ertrag die Fondskosten kaum deckt.
- Enttäuschende Renditen: Hohe Kosten und ein renditeschwacher Obligationenteil führen dazu, dass die Ergebnisse oft deutlich hinter den Erwartungen aus dem Beratungsgespräch zurückbleiben.
Das Problem mit dem Obligationenanteil
Obligationen gelten als sicher, sind aber nicht risikofrei. Steigen die Zinsen, verlieren bestehende Obligationen an Wert; das hat das Jahr 2022 deutlich gezeigt. Wie stark, hängt von der Restlaufzeit ab, und diese ist bei Schweizer Obligationen in den Jahren der Negativzinsen deutlich gestiegen, weil Staat und Unternehmen sich günstig für lange Zeit verschuldet haben. Beim Swiss Bond Index, der rund 1’500 Obligationen in Schweizer Franken umfasst, lag sie zuletzt bei über sieben Jahren.
Gleichzeitig ist der Ertrag tief. Mitte 2024 lag die Verfallrendite des Swiss Bond Index unter 1,5 Prozent; seit die Schweizerische Nationalbank den Leitzins 2025 auf null gesenkt hat, ist sie nochmals tiefer. Zieht man davon Fondskosten von 1,5 bis 2 Prozent ab, bleibt für den Obligationenteil nichts übrig, im schlechtesten Fall ein Minus. Du trägst also ein Zinsänderungsrisiko, ohne dafür entschädigt zu werden.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein grosser, seit 1993 bestehender Strategiefonds einer Schweizer Grossbank in der Variante Ertrag mit einem Fondsvolumen von rund 700 Millionen Franken zeigte Mitte 2024 folgendes Bild:
| Kennzahl | Wert (Stand Mitte 2024) |
|---|---|
| Laufende Kosten pro Jahr | 1,69 % |
| Rendite pro Jahr seit Auflage 1993, nach Fondskosten | 1,78 % |
| Schwankung (Volatilität) seit Auflage | rund 5,3 % |
| Rendite pro Jahr über die letzten fünf Jahre | rund minus 0,5 % |
Über drei Jahrzehnte blieb nach Kosten weniger als 2 Prozent pro Jahr, vor Depotgebühren. Für diese Schwankungen ist das eine schwache Entschädigung; ein gutes Sparkonto oder Festgeld hätte über weite Strecken ähnlich viel gebracht, ohne Kursrisiko.
Welche Gebühren beim Investieren anfallen können
Nicht nur Strategiefonds kosten. Beim Investieren lohnt sich ein Blick auf alle Gebühren:
| Gebühr | Was sie bedeutet | Worauf achten |
|---|---|---|
| Laufende Fondskosten (TER) | Jährliche Verwaltungskosten des Fonds oder ETF | Wichtigster Kostenblock; steht im Factsheet |
| Depotgebühr | Kosten für die Verwahrung der Wertschriften | Grosse Unterschiede; manche Anbieter haben eine Obergrenze |
| Transaktionsgebühr (Courtage) | Kosten pro Kauf oder Verkauf | Volumenabhängig oder pauschal |
| Ausgabeaufschlag, Rücknahmegebühr | Einmalige Kosten beim Kauf oder Verkauf eines Fonds | Oft eine Vertriebsentschädigung; vermeidbar |
| Währungsumrechnung | Marge beim Wechsel in Fremdwährungen | Spanne von rund 0,25 bis 2 Prozent |
| Retrozessionen | Zahlungen der Produktanbieter an Bank oder Berater | Offenlegung verlangen |
| Erfolgsgebühr | Zusätzliche Gebühr ab einer bestimmten Rendite | Ohne Bezug zu einem Vergleichsindex kaum gerechtfertigt |
| Umsatzabgabe, Börsengebühren | Steuer und Gebühren der Börse | Bei allen Anbietern ähnlich |
Am stärksten ins Gewicht fallen die laufenden Kosten. Einmalige Kosten beim Kauf sind ärgerlich, laufende Kosten wirken aber Jahr für Jahr und werden durch den Zinseszinseffekt vervielfacht.
Was 2 Prozent Kosten über 20 Jahre bedeuten
Das folgende Beispiel zeigt eine Einmalanlage über 20 Jahre bei einer angenommenen Bruttorendite von 7 Prozent pro Jahr.
| Laufende Kosten pro Jahr | 10’000 Franken werden zu | 100’000 Franken werden zu |
|---|---|---|
| 0,2 % (ETF-Lösung) | rund 37’300 Franken | rund 372’800 Franken |
| 1,0 % | rund 32’100 Franken | rund 320’700 Franken |
| 2,0 % (typischer Strategiefonds) | rund 26’500 Franken | rund 265’300 Franken |
Kosten sind entgangene Rendite. Bei 100’000 Franken liegt der Unterschied zwischen einer günstigen ETF-Lösung und einem teuren Strategiefonds in diesem Beispiel bei über 100’000 Franken.
Was Du stattdessen tun kannst
- Bestehende Lösungen prüfen: Kosten, Zusammensetzung und tatsächliche Rendite seit dem Kauf auf dem Factsheet nachschauen.
- Eigene Strategie festlegen: Aktienquote, Regionen und Obligationenanteil passend zu Deinen Zielen und Deiner Risikofähigkeit bestimmen.
- Mit wenigen ETFs umsetzen: Zwei bis vier breit gestreute ETFs reichen für eine solide Diversifikation, mit laufenden Kosten oft unter 0,2 Prozent.
- Anbieter vergleichen: Depot- und Transaktionsgebühren unterscheiden sich stark. Bei grösseren Vermögen lassen sich Gebühren auch verhandeln.
- Bei Säule 3a und Versicherungen genau hinschauen: Kombinationen aus Säule 3a und Versicherung sind meist teuer und intransparent.
Einordnung aus der Praxis
Ich habe nie in einen gemischten Anlagefonds investiert und würde es auch nicht tun. In Überprüfungen bestehender Depots sehe ich trotzdem sehr häufig Strategiefonds, die einst im Beratungsgespräch als einfache Gesamtlösung verkauft wurden. Die Bequemlichkeit hat einen hohen Preis: Die Rendite landet zu einem grossen Teil bei Bank oder Versicherung statt im eigenen Portfolio. Wer die Grundlagen kennt, erreicht dieselbe Streuung mit einem Bruchteil der Kosten.
Mehr dazu hörst Du in der Podcast-Folge 50: Ich würde nie in einen gemischten Anlagefonds investieren und in der Podcast-Folge 55: Gebühren-Check Finanzen, diese verborgenen Kosten musst Du kennen.
Häufige Fragen zu gemischten Anlagefonds und Gebühren
Was ist ein Strategiefonds?
Ein Strategiefonds ist ein gemischter Anlagefonds, der Aktien, Obligationen und weitere Anlageklassen in einem Produkt kombiniert. Die Aufteilung richtet sich nach einer Strategievariante wie Ertrag, Ausgewogen oder Wachstum.
Wie teuer sind gemischte Anlagefonds?
Die laufenden Kosten liegen meist zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr. Dazu kommen je nach Anbieter Ausgabeaufschläge, Rücknahmegebühren und Depotgebühren.
Welche Gebühren sind beim Investieren am wichtigsten?
Die laufenden Kosten, also die Verwaltungskosten der Fonds (TER) und die Depotgebühr. Sie fallen jedes Jahr an und wirken über den Zinseszinseffekt stark auf das Endvermögen.
Was sind Retrozessionen?
Retrozessionen sind Zahlungen von Produktanbietern an die Bank oder den Berater, die ein Produkt verkaufen. Du kannst verlangen, dass diese Zahlungen offengelegt werden.
Soll ich meinen Strategiefonds verkaufen?
Das hängt von Kosten, Rendite und allfälligen Verkaufsgebühren ab. Prüfe zuerst Factsheet und Depotauszug und vergleiche die Lösung mit einer günstigen ETF-Strategie mit ähnlichem Risiko.
Weiterführend
Wie Du aktive und passive Lösungen vergleichst, erklärt der Artikel Aktiv oder passiv investieren. In der how2invest Academy zeige ich Dir Schritt für Schritt, wie Du Deine Anlagestrategie festlegst und mit kostengünstigen ETFs umsetzt.
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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die Kennzahlen des Fondsbeispiels beziehen sich auf Mitte 2024. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene oder angenommene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.