Sackgeld: Wie Kinder den Umgang mit Geld lernen. how2invest Ratgeber

Sackgeld: Wie Kinder den Umgang mit Geld lernen

Kurz beantwortet: Sackgeld ist das beste Übungsfeld, damit Kinder den Umgang mit Geld lernen. Neun von zehn Kindern zwischen 10 und 14 Jahren erhalten regelmässig Sackgeld, im Schnitt rund 29 Franken pro Monat. Doch nur wenige Eltern sprechen regelmässig über Geld, und über 80 Prozent sparen für ihre Kinder nur auf dem Sparkonto. Wer früh über Geld spricht und für das Kind investiert, statt nur zu sparen, gibt ihm Wissen und ein Startkapital mit.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.

Was die Sackgeldstudie zeigt

Die Sackgeldstudie 2025 von PostFinance gibt einen guten Einblick, wie Schweizer Familien mit Geld umgehen:

Ergebnis Wert
Kinder von 10 bis 14 Jahren mit regelmässigem Sackgeld 9 von 10
Durchschnittliches Sackgeld rund 29 Franken pro Monat
Eltern, die das Kind frei über das Sackgeld entscheiden lassen 86 %
Kinder, die regelmässig einen Teil sparen 78 %
Eltern, die regelmässig mit dem Kind über Geld sprechen 15 %
Kinder, die in der Schule konkrete Informationen zu Geld erhalten 9 %

Die Kinder sparen also fleissig, meist für kurzfristige Wünsche. Begriffe wie Zins, Rendite oder Inflation bleiben dagegen abstrakt. In der Schule wird kaum Finanzwissen vermittelt, und so liegt die Verantwortung bei den Eltern. Gleichzeitig holen sich viele Kinder ihr Geldwissen zunehmend auf TikTok und YouTube, oft mit Halbwahrheiten, Konsumanreizen und Krypto-Versprechen.

So lernen Kinder mit Sackgeld den Umgang mit Geld

  1. Regelmässig und verlässlich: Ein fixer Betrag an einem fixen Tag. Nur so lernt das Kind, einzuteilen.
  2. Freiheit lassen: Das Kind entscheidet selbst und darf auch Fehlkäufe machen. Ein Fehlkauf mit 10 Franken ist günstiges Lehrgeld.
  3. Drei Kässeli: Ein Teil zum Ausgeben, ein Teil zum Sparen für grössere Wünsche und, ab einem gewissen Alter, ein Teil zum Investieren.
  4. Über Geld sprechen: Beim Einkaufen, beim Wunsch nach einem neuen Smartphone oder bei der Ferienplanung. Offen, früh und altersgerecht.
  5. Vorbild sein: Kinder übernehmen die Haltung der Eltern. Wer selbst investiert und darüber spricht, gibt das weiter.
  6. Mit dem Alter wachsen: Mit zunehmendem Alter mehr Verantwortung übertragen, etwa für Kleider oder das Handy-Abo.

Sparen ist gut, investieren ist besser

Die Hälfte der Eltern legt regelmässig Geld für die Kinder zur Seite, ein weiteres Viertel unregelmässig. Doch wie? In der Deutschschweiz landen bei 81 Prozent der Eltern die Ersparnisse auf dem Sparkonto, in der Westschweiz sogar bei 90 Prozent. Nur rund 20 beziehungsweise 10 Prozent investieren für ihre Kinder, etwa mit einem ETF-Sparplan. Einige nutzen noch das Kässeli, eine Lebensversicherung oder Kryptowährungen.

Dabei ist der Anlagehorizont bei Kindern ideal lang. Der Unterschied ist gross:

100 Franken pro Monat über 18 Jahre Eingezahlt Endbetrag
Sparkonto mit 1 % Zins 21’600 Franken rund 23’700 Franken
Aktien-ETF-Sparplan mit 6,5 % Rendite 21’600 Franken rund 40’000 Franken

Führt das Kind den Sparplan mit denselben 100 Franken pro Monat bis 65 weiter, wächst das Vermögen bei 6,5 Prozent auf über 1,2 Millionen Franken. Die Renditen sind Annahmen nach Kosten und keine Garantie.

Das Depot als Lehrmittel

Ein Kinderdepot ist nicht nur ein Startkapital, sondern auch ein Lehrmittel. Zeige Deinem Kind ab etwa elf bis dreizehn Jahren, wie sich das Depot entwickelt, warum es auch einmal sinkt und was der Zinseszins bewirkt. Wer bei der Übergabe mit 18 versteht, wie das Geld entstanden ist, investiert mit grosser Wahrscheinlichkeit selbst weiter. Das ist das wertvollste Geschenk.

Einordnung aus der Praxis

Mein Sohn ist im Sackgeldalter, und das Thema beschäftigt uns zu Hause regelmässig. Ich investiere seit Jahren monatlich für ihn und zeige ihm, was daraus wird. Finanzielle Bildung ist Lebensbildung: Wir treffen ein Leben lang finanzielle Entscheide, und wer früh lernt, trifft die besseren. Dass nur 9 Prozent der Kinder in der Schule etwas über Geld lernen, finde ich bedauerlich. Umso wichtiger ist es, dass wir Eltern diese Rolle übernehmen.

Mehr dazu hörst Du in der Podcast-Folge 103: Sackgeldstudie, mehr Wohlstand für Deine Kinder.

Häufige Fragen zu Sackgeld und Kindern

Wie viel Sackgeld ist angemessen?

Kinder zwischen 10 und 14 Jahren erhalten im Schnitt rund 29 Franken pro Monat. Wichtiger als die genaue Höhe ist, dass das Sackgeld regelmässig und verlässlich ausbezahlt wird und zum Alter und zu den Ausgaben passt, die das Kind selbst übernimmt.

Ab welchem Alter sollten Kinder Sackgeld bekommen?

Sobald sie zählen und einfache Einkäufe verstehen, oft ab dem Kindergarten- oder frühen Schulalter, zunächst wöchentlich in kleinen Beträgen und später monatlich.

Soll mein Kind selbst über das Sackgeld entscheiden?

Ja. Nur wer frei entscheiden darf, lernt aus eigenen Erfahrungen, auch aus Fehlkäufen.

Ist ein Jugendsparkonto oder ein Depot besser?

Für Geld, das erst in vielen Jahren gebraucht wird, in der Regel ein Depot mit breit gestreuten Aktien-ETFs. Für kurzfristige Wünsche eignet sich das Sparkonto.

Wie bringe ich meinem Kind Investieren bei?

Ein eigenes Depot oder ein Sparplan, den Ihr gemeinsam verfolgt, ist die beste Schule. Erkläre, warum Kurse schwanken und wie der Zinseszins wirkt.

Weiterführend

Wie Du ein Kinderdepot einrichtest, worauf Du bei Namen, Steuern und Anbietern achtest und wie sich meine eigenen Kinderdepots entwickelt haben, zeigt der Artikel Geld für Kinder anlegen. In der how2invest Academy lernst Du, einen kostengünstigen Sparplan für Dein Kind umzusetzen.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die Studienwerte stammen aus der Sackgeldstudie 2025 von PostFinance. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene oder angenommene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.

Written by

Marco Eberle

Marco Eberle ist Finanzplaner mit eidg. Fachausweis, Master in Financial Consulting und Certified Crypto Finance Expert (CCFE). Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Anlageberatung, zuerst für vermögende Privatkunden und danach für institutionelle Anleger. Heute führt er die unabhängige Finanzberatung RichtigAnlegen AG in Romanshorn und zeigt mit how2invest, wie Privatanleger in der Schweiz selbständig, breit gestreut und kostengünstig investieren. Er ist Experte in der Anlagekommission einer Vorsorgeeinrichtung, Host des richtiganlegen.ch Podcasts und Co-Host des Podcasts Ring the Bell.