Kurz beantwortet: Unseriöse Finanzangebote erkennst Du vor allem an unrealistischen Renditeversprechen. Langfristig bringt ein breit gestreutes Aktienportfolio rund 7 Prozent pro Jahr; wer dauerhaft zweistellige Renditen oder aus 250 Franken Zehntausende verspricht, will Dein Geld. Prüfe Anbieter, Impressum und Bewilligung, misstraue Deepfake-Videos mit Prominenten und Anleihen mit auffällig hohen Zinsen. Wenn etwas zu gut klingt, ist es das fast immer.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.
Warum die Finanzwelt so anfällig für Betrug ist
Bei Finanzen geht es um Geld, um Hoffnungen und um Emotionen. Genau das nutzen Betrüger aus. Neben klassischen Lockangeboten setzen sie heute zunehmend auf künstliche Intelligenz. Die beste Verteidigung ist ein realistischer Massstab: Wer weiss, was an den Finanzmärkten langfristig möglich ist, erkennt unseriöse Versprechen sofort.
1. Deepfakes: Prominente als Lockvögel
Deepfakes sind mit künstlicher Intelligenz erzeugte Videos oder Tonaufnahmen, die täuschend echt wirken. In Werbeanzeigen auf YouTube oder Social Media scheinen bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Unterhaltung von einer Anlage zu schwärmen, inzwischen teilweise sogar auf Schweizerdeutsch.
Der Ablauf ist fast immer derselbe:
- Ein Video verspricht, aus einer kleinen Einzahlung von etwa 250 Franken innert kurzer Zeit Zehntausende zu machen.
- Nach der Einzahlung zeigt eine Plattform scheinbar rasch wachsende Gewinne.
- Kleine Auszahlungen werden zugelassen, um Vertrauen aufzubauen.
- Du zahlst mehr ein, oft in angebliche Kryptoanlagen, und verlierst am Ende alles.
Seriöse Prominente machen keine Werbung für solche Angebote. Finger weg, ohne Ausnahme.
2. Kurse und Tradingkurse mit Renditeversprechen
Es gibt viele gute Finanzkurse, aber auch unseriöse. Das klarste Warnsignal sind dauerhaft zweistellige Renditen von 12, 15 oder 20 Prozent pro Jahr, oft kombiniert mit Optionsstrategien. Solche Renditen würden bedeuten, den Markt Jahr für Jahr deutlich zu schlagen, was kaum jemandem gelingt.
Auch Tradingkurse halten selten, was sie versprechen. Nur ein sehr kleiner Teil der Trader ist langfristig erfolgreich, und das sind Profis, die den ganzen Tag nichts anderes tun. Neben Beruf und Familie mit einer halben Stunde pro Tag funktioniert das nicht.
3. Anleihen mit auffällig hohen Zinsen
Immer wieder werben Unternehmen für Anleihen in Franken mit 3, 4, 5 oder 6 Prozent Zins, oft mit Nachhaltigkeitsthemen wie Recycling, Solaranlagen oder Holz. Als Massstab dient die Eidgenossenschaft: Sie bezahlt für zehnjährige Anleihen zuletzt deutlich unter einem Prozent, und auch der breite Schweizer Obligationenmarkt rentiert kaum mehr.
Stell Dir deshalb die entscheidende Frage: Warum sammelt dieses Unternehmen Geld über Werbung bei Privatpersonen statt über einen günstigeren Bankkredit oder den normalen Kapitalmarkt? Meist, weil das Risiko hoch ist. Ein hoher Zins ist kein Geschenk, sondern die Entschädigung für ein hohes Ausfallrisiko.
4. Finfluencer: Geschäftsmodell verstehen
Viele Finfluencer leisten wertvolle Aufklärung. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das Geschäftsmodell. Viele verdienen über Affiliate-Partnerschaften: Eröffnest Du über ihren Link oder Code ein Konto, erhalten sie eine Provision. Das ist nicht verwerflich, sollte aber offengelegt werden. Achte zudem auf Erfahrung: Wer erst seit wenigen Jahren an den Märkten aktiv ist, hat noch keine echte Krise als Anleger erlebt.
Vorsicht auch bei Angeboten, die als komplett gratis beworben werden. Irgendwo muss ein Anbieter Geld verdienen, etwa über schlechtere Kurse bei der Ausführung, über Daten oder über Gebühren, die erst später eingeführt werden.
Checkliste: So prüfst Du ein Finanzangebot
| Frage | Warnsignal |
|---|---|
| Wie hoch ist die versprochene Rendite? | Dauerhaft zweistellig oder garantiert |
| Wer steckt dahinter? | Kein Impressum, keine Personen, kein Firmensitz |
| Ist der Anbieter bewilligt? | Nicht auf der Liste der von der FINMA bewilligten Institute, oder auf deren Warnliste |
| Wie wirst Du angesprochen? | Zeitdruck, exklusive Gelegenheit, Werbung mit Prominenten |
| Wohin geht das Geld? | Überweisung an Privatpersonen, ins Ausland oder in Kryptowährungen |
| Ist das Geschäftsmodell plausibel? | Hohe Zinsen ohne erkennbaren Grund, unklare Verwendung des Geldes |
| Wie viel verdient der Vermittler? | Keine Offenlegung von Provisionen |
Der beste Schutz: realistische Erwartungen
Rund 7 Prozent pro Jahr nach Kosten mit einem breit gestreuten Aktienportfolio sind realistisch und mehr als genug: Das Vermögen verdoppelt sich etwa alle zehn Jahre und verachtfacht sich in 30 Jahren. Wer diesen Massstab kennt, fällt nicht auf Versprechen von schnellem Reichtum herein. Im Kern breit gestreut und kostengünstig investieren, daneben höchstens einen kleinen Betrag für eigene Experimente: Das schützt am zuverlässigsten.
Einordnung aus der Praxis
Deepfake-Werbung mit bekannten Schweizer Persönlichkeiten wird auch mir regelmässig angezeigt, und ich bin immer wieder erstaunt, dass solche Anzeigen geschaltet werden dürfen. In Beratungen begegne ich zudem Menschen, die in hochverzinste Anleihen kleiner Unternehmen investiert haben und nun um ihr Geld bangen. Mein Rat: Prüfe jeden Anbieter genau, frage nach, wie die Rendite zustande kommt, und lass Dich nicht unter Zeitdruck setzen. Seriöse Anbieter haben nichts dagegen, wenn Du Dir Zeit nimmst.
Mehr dazu hörst Du in der Podcast-Folge 115: Deepfakes und Renditefallen, so erkennst Du Betrug bei Finanzangeboten.
Häufige Fragen zu Betrug bei Finanzangeboten
Wie erkenne ich unseriöse Finanzangebote?
An unrealistischen Renditeversprechen, fehlenden Angaben zum Anbieter, fehlender Bewilligung, Zeitdruck und Werbung mit Prominenten. Wenn ein Angebot zu gut klingt, ist es das fast immer.
Was ist ein Deepfake?
Ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Video oder eine Tonaufnahme, die eine reale Person Dinge sagen lässt, die sie nie gesagt hat. Betrüger nutzen Deepfakes von Prominenten, um für betrügerische Anlagen zu werben.
Welche Rendite ist realistisch?
Mit einem breit gestreuten Aktienportfolio langfristig rund 6 bis 8 Prozent pro Jahr, mit Schwankungen. Dauerhaft zweistellige oder garantierte Renditen sind unrealistisch.
Wie prüfe ich, ob ein Anbieter seriös ist?
Impressum, Firmensitz und verantwortliche Personen prüfen, die Bewilligung bei der FINMA kontrollieren, unabhängige Bewertungen suchen und nach dem Geschäftsmodell fragen.
Sind Anleihen mit 5 Prozent Zins in Franken seriös?
Sie sind nicht zwingend Betrug, aber sehr riskant. Bei so hohen Zinsen in Franken ist das Ausfallrisiko hoch. Frage Dich, warum das Unternehmen kein günstigeres Geld bei Banken erhält.
Weiterführend
Warum Trading selten reich macht und wie Du Spielgeld sinnvoll einsetzt, erklärt der Artikel Börse oder Casino?. Welche Rendite langfristig realistisch ist, zeigt Warum Aktien langfristig steigen: die Risikoprämie. In der how2invest Academy lernst Du, seriös und kostengünstig zu investieren.
7 Tage kostenlos testen oder zuerst das kostenlose Webinar ansehen.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlage- oder Rechtsberatung dar. Bei Verdacht auf Betrug wende Dich an die Polizei und melde unbewilligte Anbieter der FINMA. Stand: Oktober 2026.