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18 kuriose Fakten über das Investieren

Kurz beantwortet: Die Börse steckt voller Überraschungen. Die besten Tage folgen oft direkt auf die schlechtesten, Aktien sind langfristig weniger riskant als Bargeld, und schon 1 Prozent mehr Kosten kann über 40 Jahre einen Drittel des Endvermögens kosten. Gleichzeitig gab es Jahrzehnte ohne Rendite. Die wichtigste Erkenntnis aus über hundert Jahren Börsengeschichte: Wer breit gestreut investiert und Zeit mitbringt, wird belohnt.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.

Verhalten und Psychologie

  1. Nach Katastrophen steigt die Börse meist. Nach Kriegen, Terroranschlägen und Pandemien lagen die Aktienmärkte einige Monate oder Jahre später fast immer höher als zuvor. Kurzfristig reagieren Märkte emotional, langfristig rational, und meist fliesst nach Krisen zusätzliches Geld in die Märkte.
  2. Die besten Tage folgen oft direkt auf die schlechtesten. Wer beim US-Aktienmarkt von 2001 bis 2020 nur die zehn besten Tage verpasste, hat seine Rendite mehr als halbiert. Diese Tage lagen mitten in Krisen, als die Stimmung am Boden war.
  3. Viele Tagesbewegungen haben keinen klaren Grund. Medien liefern im Nachhinein für jede Bewegung eine Erklärung. Oft ist es aber schlicht Rauschen aus Liquidität, Algorithmen und technischen Effekten.
  4. Der Grossteil des Handels läuft automatisiert. In den USA stammt ein grosser Teil des täglichen Handelsvolumens, oft geschätzt auf rund 70 Prozent, von Algorithmen und nicht mehr von Menschen.

Risiko und Kosten

  1. Aktien sind langfristig weniger riskant als Bargeld. Kurzfristig schwanken Aktien stark. Bargeld verliert dagegen garantiert an Kaufkraft: Bei 2 Prozent Teuerung halbiert sich die Kaufkraft in rund 35 Jahren.
  2. Kleine Kosten, grosse Wirkung. Ein Prozentpunkt mehr Kosten pro Jahr kostet bei 7 Prozent Bruttorendite über 40 Jahre rund einen Drittel des Endvermögens.

Die Kraft der Zeit

  1. Aus 1’000 Franken wurden weit über eine Million. Wer 1926 1’000 Franken in den breiten Schweizer Aktienmarkt investiert hätte, besässe heute weit über eine Million Franken, bei einer Rendite von rund 7,7 Prozent pro Jahr. Mit Schweizer Obligationen wären es nur einige zehntausend Franken.
  2. Knapp mehr Plus- als Minustage. Der Dow Jones schloss seit 1970 nur an etwa 52 Prozent aller Handelstage im Plus, und die durchschnittlichen Gewinne und Verluste pro Tag sind fast gleich gross. Dieser kleine Vorsprung genügt, um über Jahrzehnte ein Vielfaches zu erzielen.

Lange Durststrecken

  1. Ein verlorenes Jahrzehnt. In den ganzen 1970er-Jahren legte der Dow Jones gerade einmal rund 38 Punkte zu, von etwa 800 auf etwa 840 Punkte.
  2. Zurück auf Feld 1996. Am Tiefpunkt der Finanzkrise im März 2009 notierten US-Aktien wieder dort, wo sie 1996 gestanden hatten.
  3. Japan noch schlimmer. Japanische Aktien lagen 2009 wieder auf dem Niveau von rund 1980, fast dreissig Jahre ohne Kursgewinn.
  4. Vier Verlustjahre in Folge. In der Grossen Depression verlor der Dow Jones 1929 rund 17 Prozent, 1930 rund 34 Prozent, 1931 rund 53 Prozent und 1932 nochmals rund 23 Prozent.

Bewertungen, Gold und Bitcoin

  1. Bewertungen schwanken extrem. 1949 wurde der US-Aktienmarkt zum rund Sechsfachen der Gewinne gehandelt, bei einer Dividendenrendite von über 7 Prozent. Fünfzig Jahre später, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, zum rund Dreissigfachen, bei rund 1 Prozent Dividendenrendite.
  2. Gold und Dow Jones lagen 1980 gleichauf. Beide standen bei rund 800 bis 850, Gold in Dollar pro Unze, der Dow in Punkten. Anfang 2026 lag Gold bei über 4’000 Dollar, der Dow Jones bei über 48’000 Punkten.
  3. Auch Gold kennt lange Durststrecken. Wer am 21. Januar 1980 Gold zu rund 850 Dollar kaufte, musste fast 28 Jahre warten, bis dieser Preis im Januar 2008 wieder erreicht war.
  4. Der Startzeitpunkt entscheidet über Vergleiche. Seit dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000 hat Gold deutlich stärker zugelegt als der US-Aktienmarkt inklusive Dividenden. Über 1980 bis heute ist es umgekehrt.
  5. Bitcoin mit extremen Renditen und Schwankungen. Von 2016 bis 2025 erzielte Bitcoin im Durchschnitt rund 70 Prozent pro Jahr, mit zwischenzeitlichen Einbrüchen von 70 Prozent und mehr.

Und die wichtigste Erkenntnis

  1. Die schlechteste Entscheidung ist, nicht zu investieren. Alle Krisen, Durststrecken und Übertreibungen ändern nichts daran, dass breit gestreute Aktienanlagen über lange Zeiträume die beste Rendite gebracht haben.

Was André Kostolany dazu sagte

Der legendäre Börsenkenner André Kostolany hat vieles davon in Sätze gefasst, die bis heute gelten. Etwa: Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen. Oder: Die Börse ist kein Ort für Eilige. Seine bekannteste Empfehlung lautet sinngemäss, Aktien zu kaufen, Schlaftabletten zu nehmen und die Kurse viele Jahre nicht anzuschauen.

Einordnung aus der Praxis

Diese Fakten zeigen beide Seiten der Börse: die enorme Kraft der Zeit und die Härte langer Durststrecken. Deshalb setze ich nicht auf einen einzelnen Markt oder eine einzelne Anlage, sondern auf eine breit gestreute Strategie aus Schweizer und internationalen Aktien, ergänzt um Immobilien, Gold und einen kleinen Anteil Bitcoin. Wer so aufgestellt ist und genügend Zeit mitbringt, muss weder Crash noch Durststrecke fürchten.

Mehr dazu hörst Du in der Podcast-Folge 134: Die 21 verrücktesten und kuriosesten Fakten über das Investieren.

Häufige Fragen

Warum steigen Aktien nach Krisen oft wieder?

Weil Unternehmen weiter wirtschaften und wachsen und weil Notenbanken und Staaten in Krisen meist zusätzliches Geld bereitstellen, das langfristig in Sachwerte wie Aktien fliesst.

Wie lange kann eine Durststrecke an der Börse dauern?

Beim US-Aktienmarkt gab es Phasen von rund zehn Jahren ohne Kursgewinn, in Japan sogar fast dreissig Jahre. Breite internationale Streuung und Dividenden verkürzen solche Phasen deutlich.

Sind Aktien riskanter als ein Sparkonto?

Kurzfristig ja, langfristig nicht. Bargeld verliert durch die Teuerung garantiert an Kaufkraft, während breit gestreute Aktien über lange Zeiträume eine deutlich positive reale Rendite erzielt haben.

Wie viel kosten 1 Prozent höhere Gebühren?

Bei 7 Prozent Bruttorendite über 40 Jahre rund einen Drittel des Endvermögens.

Ist Gold besser als Aktien?

Das hängt stark vom Zeitraum ab. Gold kann in Krisen glänzen, kennt aber auch Durststrecken von fast dreissig Jahren. Als Beimischung zu Aktien kann es sinnvoll sein.

Weiterführend

Wie Du Krisen gelassen überstehst, zeigt der Artikel Börsenkrisen gelassen überstehen. Warum Aktien langfristig steigen, erklärt Warum Aktien langfristig steigen: die Risikoprämie. In der how2invest Academy baust Du eine breit gestreute Strategie auf, die auch lange Durststrecken übersteht.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Werte beruhen auf historischen Daten und gerundeten Angaben; vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.

Written by

Marco Eberle

Marco Eberle ist Finanzplaner mit eidg. Fachausweis, Master in Financial Consulting und Certified Crypto Finance Expert (CCFE). Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Anlageberatung, zuerst für vermögende Privatkunden und danach für institutionelle Anleger. Heute führt er die unabhängige Finanzberatung RichtigAnlegen AG in Romanshorn und zeigt mit how2invest, wie Privatanleger in der Schweiz selbständig, breit gestreut und kostengünstig investieren. Er ist Experte in der Anlagekommission einer Vorsorgeeinrichtung, Host des richtiganlegen.ch Podcasts und Co-Host des Podcasts Ring the Bell.