Kurz beantwortet: Die absolute Performance zeigt, wie viel Dein Portfolio gewonnen oder verloren hat. Die relative Performance zeigt, ob es besser oder schlechter war als ein passender Vergleichsindex. Nur die relative Performance sagt, ob eine Bank, ein Fonds oder Du selbst einen Mehrwert geschaffen hast. Plus 7 Prozent klingen gut, sind aber eine schwache Leistung, wenn der Markt um 12 Prozent gestiegen ist.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.
Absolute und relative Performance: der Unterschied
| Absolute Performance | Relative Performance | |
|---|---|---|
| Frage | Wie viel habe ich gewonnen oder verloren? | War ich besser oder schlechter als der Markt? |
| Messung | In Franken oder Prozent über einen Zeitraum | Differenz zu einem Vergleichsindex (Benchmark) |
| Beispiel | Portfolio plus 7 % | Portfolio plus 7 %, Markt plus 12 %: relativ minus 5 Prozentpunkte |
| Aussagekraft | Zeigt die Vermögensentwicklung | Zeigt die Qualität der Anlageentscheide |
Ein Vergleichsindex muss zum Portfolio passen. Für Schweizer Aktien eignet sich zum Beispiel der Swiss Performance Index (SPI), für weltweite Aktien der MSCI World oder der MSCI All Country World. Besteht ein Portfolio aus mehreren Anlageklassen, setzt man den Vergleich aus den passenden Indizes im Verhältnis der Anlagestrategie zusammen.
Warum Privatanleger fast nur auf die absolute Performance schauen
Institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Family Offices messen ihre Vermögensverwalter standardmässig an der relativen Performance. Jede Anlageklasse hat einen Benchmark, und im Reporting stehen absolute und relative Zahlen nebeneinander. Bei Privatanlegern steht dagegen meist nur eine Zahl im Depotauszug: Plus oder Minus.
Das führt zu Fehlschlüssen. In Gesprächen höre ich oft: Meine Bank hat das gut gemacht, wir waren fast immer im Plus. Ob das gut war, lässt sich so aber nicht beurteilen. Entscheidend ist, ob nach Kosten mehr herausgekommen ist, als ein günstiger Indexfonds gebracht hätte. Wer für eine Dienstleistung bezahlt, sollte einen Mehrwert erhalten.
Was die Zahlen zeigen
- Aktive Fonds: Über lange Zeiträume schneiden rund 90 Prozent schlechter ab als ihr Vergleichsindex.
- Privatanleger mit Einzelaktien: Studien zeigen, dass selbst zusammengestellte Aktiendepots langfristig oft um 2 bis 4 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem Markt zurückbleiben.
Die Gründe sind immer ähnlich: zu viele Transaktionen, schlechtes Timing, höhere Kosten, Emotionen, Selbstüberschätzung und zu wenig Streuung.
Vorsicht bei Erfolgsgebühren
Manche Vermögensverwaltungsmandate und Fonds verlangen eine Erfolgsgebühr, zum Beispiel 10 bis 20 Prozent der Rendite über einer fixen Schwelle von 5 Prozent. Das klingt fair, ist es aber selten. Steigt der Markt um 15 Prozent und erzielt der Verwalter 10 Prozent, hat er schlechter gearbeitet als der Markt und kassiert trotzdem eine Erfolgsgebühr. Weil Aktienmärkte nicht gleichmässig steigen, sondern oft in Jahren mit zweistelligen Gewinnen, bezahlst Du so für Marktentwicklung statt für Leistung. Sinnvoll ist eine Erfolgsgebühr höchstens, wenn sie sich auf die relative Performance gegenüber einem passenden Index bezieht.
Warum schon kleine Unterschiede viel ausmachen
| Rendite pro Jahr | Verdoppelung nach | Vervierfachung nach | Verachtfachung nach |
|---|---|---|---|
| 7,2 % | rund 10 Jahren | rund 20 Jahren | rund 30 Jahren |
| 5 % | rund 14 Jahren | rund 28 Jahren | rund 43 Jahren |
Gut 2 Prozentpunkte weniger, sei es wegen Kosten oder relativer Unterperformance, kosten bei der Verachtfachung des Kapitals 13 Jahre. Deshalb lohnt sich der kritische Blick.
So prüfst Du Deine eigene Performance
- Zeitraum wählen: Mindestens drei bis fünf Jahre, besser länger. Ein einzelnes Jahr sagt wenig aus.
- Passenden Vergleich bestimmen: Zum Beispiel einen Welt-ETF oder eine Mischung aus Schweizer und weltweiten Aktien, die Deiner Strategie entspricht.
- Nach Kosten vergleichen: Massgebend ist, was nach allen Gebühren übrig bleibt.
- Bei Bank oder Verwalter nachfragen: Du hast das Recht, die relative Performance gegenüber einem Benchmark zu erfahren. Auch die Antwort, ob das überhaupt geliefert werden kann, ist aufschlussreich.
- Konsequenzen ziehen: Liegst Du dauerhaft hinter dem Markt, ist eine kostengünstige passive Umsetzung meist die bessere Wahl.
Einordnung aus der Praxis
Ich komme aus dem institutionellen Anlagegeschäft, wo die relative Performance die zentrale Kennzahl ist. Wenn ich die Depots von Privatpersonen analysiere, komme ich fast immer zum selben Ergebnis: Mit einem breit gestreuten, passiven Portfolio wären sie über die letzten Jahre besser gefahren. In der how2invest Academy investieren wir deshalb im Kern passiv und holen uns die Marktrendite mit tiefen Kosten. Wer versuchen möchte, den Markt zu schlagen, kann das in einem kleinen Satellitenteil tun und dort ehrlich mit dem Index vergleichen.
Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 130: Absolute vs. relative Performance und 111: Ist passiv Investieren der Königsweg?
Häufige Fragen zur Performance
Was ist der Unterschied zwischen absoluter und relativer Performance?
Die absolute Performance misst den Gewinn oder Verlust eines Portfolios. Die relative Performance vergleicht ihn mit einem passenden Index und zeigt, ob eine Mehr- oder Minderleistung erzielt wurde.
Was ist eine Benchmark?
Ein Vergleichsindex, der den Markt abbildet, in dem ein Portfolio investiert, zum Beispiel der SPI für Schweizer Aktien oder der MSCI World für weltweite Aktien.
Was ist eine Outperformance?
Eine Rendite über dem Vergleichsindex. Liegt die Rendite darunter, spricht man von Underperformance.
Sind Erfolgsgebühren sinnvoll?
Selten. Bezieht sich die Gebühr auf eine fixe Renditeschwelle statt auf einen Vergleichsindex, bezahlst Du oft für die normale Marktentwicklung statt für eine echte Mehrleistung.
Wie vergleiche ich mein Depot mit dem Markt?
Wähle einen passenden ETF oder Index als Vergleich, nimm einen Zeitraum von mehreren Jahren und vergleiche die Rendite nach allen Kosten.
Weiterführend
Warum die meisten aktiven Fonds hinter dem Markt zurückbleiben, erklärt der Artikel Aktiv oder passiv investieren. Welche Gebühren Deine Rendite schmälern, zeigt Gemischte Anlagefonds und Gebühren. In der how2invest Academy setzt Du Deine Strategie im Kern passiv und kostengünstig um.
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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.