Robo-Advisor und KI-Anlageberatung im Vergleich. how2invest Ratgeber

Robo-Advisor und KI-Anlageberatung im Vergleich

Kurz beantwortet: Robo-Advisor sind digitale Vermögensverwalter, die Dein Geld nach einem Online-Fragebogen automatisch in ETFs anlegen. Mit Gesamtkosten von rund 0,5 bis 0,7 Prozent pro Jahr sind sie deutlich günstiger als klassische Bankmandate und eignen sich gut für Einsteiger. Wer selbst investiert, kommt aber mit 0,1 bis 0,3 Prozent aus. KI-Chatbots liefern brauchbare erste Ideen, ersetzen aber weder eine durchdachte Strategie noch Begleitung in Krisen.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.

Was ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor ist ein digitaler Anlagehelfer. Er erfasst in einem Online-Fragebogen Deine finanzielle Situation, Deine Ziele, Deinen Anlagehorizont und Deine Risikobereitschaft. Daraus erstellt ein Algorithmus ein Risikoprofil und schlägt eine passende Anlagestrategie vor. Investiert wird meist breit gestreut über ETFs in Aktien, Obligationen, Immobilien und Rohstoffe. Danach kümmert sich der Robo-Advisor laufend um das Portfolio, etwa mit einem automatischen Rebalancing.

In der Schweiz haben sich Robo-Advisor etabliert. Neben spezialisierten Anbietern wie True Wealth, Selma oder Inyova bieten inzwischen auch Grossbanken, Kantonalbanken und PostFinance eigene digitale Vermögensverwaltungen an.

Vor- und Nachteile von Robo-Advisorn

Vorteile Nachteile
Einfach und komplett online Standardisierte Strategien mit wenig Spielraum für individuelle Wünsche
Deutlich günstiger als klassische Bank- oder Verwaltungsmandate Teurer als selbst investieren
Start oft schon mit kleinen Beträgen Kein persönlicher Ansprechpartner, gerade in Krisen
Breite Streuung und automatisches Rebalancing Fragebogen führt oft in eine mittlere Strategie mit zu tiefem Aktienanteil
Kein Vorwissen nötig Wenig Verständnis dafür, was im Portfolio passiert

Was kosten Robo-Advisor im Vergleich?

Umsetzung Typische Gesamtkosten pro Jahr 100’000 Franken nach 20 Jahren bei 7 % Bruttorendite
Selbst investieren mit ETFs rund 0,1 bis 0,3 % rund 373’000 Franken (bei 0,2 %)
Robo-Advisor rund 0,5 bis 0,7 % rund 346’000 Franken (bei 0,6 %)
Klassisches Bankmandat oder Strategiefonds rund 1,5 bis 2 % rund 265’000 Franken (bei 2 %)

Gegenüber der Bank spart ein Robo-Advisor viel Geld. Gegenüber dem eigenen Depot kostet er über 20 Jahre aber immer noch eine fünfstellige Summe. Die Rechnung zeigt: Schon wenige Zehntelprozente machen langfristig wegen des Zinseszinseffekts einen spürbaren Unterschied.

Das grösste Problem: die Strategie

Kritischer als die Kosten finde ich den Fragebogen. Wie bei der Bank führt er häufig in Strategien mit Namen wie Ausgewogen oder Rendite, mit einem substanziellen Obligationenanteil. Solange Obligationen in Franken kaum Rendite bringen, kostet das viel Ertrag. Ein Fragebogen kann nicht erklären, warum für langfristiges Geld ein hoher Aktienanteil sinnvoll ist, und er erkennt nicht, welches Geld wann gebraucht wird.

KI-Anlageberatung im Test

Immer mehr Menschen fragen ChatGPT, Claude und andere KI-Modelle um Rat bei der Geldanlage. Ich habe zwei führende Modelle mit einem realistischen Fall getestet: 35 Jahre, angestellt, Einkommen rund 80’000 Franken, monatlich 500 Franken Sparpotenzial, jährliche Maximaleinzahlung in die Säule 3a und 30’000 Franken auf dem Sparkonto.

Was gut war:

  • Beide Modelle empfahlen kostengünstige ETFs und günstige Online-Broker statt teurer Bankprodukte.
  • Die Vorschläge waren einfach und für Einsteiger umsetzbar.
  • Der Schweizer Kontext, etwa Säule 3a und Steuern, wurde korrekt berücksichtigt.
  • Für das Sparkonto schlugen sie vor, einen Teil als Notreserve zu behalten und den Rest gestaffelt zu investieren.

Was fehlte:

  • Beide setzten auf einen einzigen Welt-ETF. Damit liegen rund zwei Drittel des Geldes in den USA und im Dollar, die Schweiz nur bei 2 bis 3 Prozent. Für Anleger in Franken ist das aus meiner Sicht zu wenig ausgewogen.
  • Die Aktienquote in der Säule 3a blieb vage, mit einer Spanne von 80 bis 100 Prozent.
  • Risiken und die psychologische Seite des Investierens wurden nur am Rand erwähnt.
  • Konkrete Umsetzungsschritte, etwa wie und wann man an der Börse eine Order erfasst, fehlten.
  • Eine KI unterliegt keinem Finanzdienstleistungsgesetz und haftet für nichts.

Mein Fazit: KI ist ein hervorragender Zweitmeinungsgenerator und ein guter Startpunkt. Für eine massgeschneiderte Strategie und für Begleitung in schwierigen Marktphasen reicht sie heute noch nicht.

Für wen eignet sich welcher Weg?

  • Robo-Advisor: Für Einsteiger, die mit wenig Aufwand starten möchten, oder für einfache Anwendungsfälle wie ein Kinderdepot, bei dem es vor allem um Automatisierung geht.
  • Selbst investieren: Für alle, die bereit sind, sich Grundwissen anzueignen. Am günstigsten und mit dem besten Verständnis für das eigene Portfolio.
  • Unabhängige Beratung: Für grössere Vermögen und komplexere Situationen, bei denen eine persönliche Strategie und ein Ansprechpartner in Krisen den Ausschlag geben.

Einordnung aus der Praxis

Ich nutze selbst einen Robo-Advisor, und zwar für die Geldanlage für Kinder: Dauerauftrag einrichten, Strategie wählen, fertig. Bei kleinen Beträgen sind die Mehrkosten verkraftbar, und die Automatisierung ist praktisch. Für mein eigenes Vermögen würde ich dagegen nie darauf verzichten, die Strategie selbst festzulegen und mit tiefsten Kosten umzusetzen. Robo-Advisor und KI haben ihre Berechtigung, und es ist erfreulich, dass sie mehr Menschen ans Investieren heranführen. Wichtig ist vor allem, überhaupt anzufangen.

Mehr dazu hörst Du in den Podcast-Folgen 96: Roboadvisor, die Zukunft der Geldanlage? und 151: KI-Anlageberatung, ich habe es getestet.

Häufige Fragen zu Robo-Advisorn und KI

Was ist ein Robo-Advisor?

Ein digitaler Vermögensverwalter, der Dein Geld nach einem Online-Fragebogen automatisch in eine Anlagestrategie mit ETFs investiert und das Portfolio laufend überwacht.

Was kostet ein Robo-Advisor?

Alles in allem meist rund 0,5 bis 0,7 Prozent pro Jahr. Das ist deutlich günstiger als ein Bankmandat, aber teurer als eine selbst umgesetzte ETF-Strategie mit 0,1 bis 0,3 Prozent.

Lohnt sich ein Robo-Advisor?

Für Einsteiger und für einfache, kleine Anlagen wie ein Kinderdepot oft ja. Wer bereit ist, sich etwas Wissen anzueignen, investiert selbst günstiger und versteht seine Strategie besser.

Kann ChatGPT mich bei der Geldanlage beraten?

KI-Modelle liefern brauchbare erste Ideen, etwa kostengünstige ETFs. Sie bleiben aber oft zu allgemein, berücksichtigen Risiken und Psychologie kaum und haften nicht für ihre Empfehlungen.

Was ist besser: Robo-Advisor oder selbst investieren?

Selbst investieren ist günstiger und flexibler, braucht aber etwas Wissen. Ein Robo-Advisor ist bequemer, aber standardisierter und teurer.

Weiterführend

Wie Du Deine Strategie unabhängig vom Fragebogen festlegst, zeigt der Artikel Die passende Anlagestrategie für jede Lebensphase. Was Gebühren langfristig ausmachen, erklärt Gemischte Anlagefonds und Gebühren. In der how2invest Academy lernst Du Schritt für Schritt, Deine Strategie selbst und mit tiefsten Kosten umzusetzen.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Anbieter sind Beispiele ohne Wertung; Angebote und Kosten können sich ändern. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene oder angenommene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.

Written by

Marco Eberle

Marco Eberle ist Finanzplaner mit eidg. Fachausweis, Master in Financial Consulting und Certified Crypto Finance Expert (CCFE). Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Anlageberatung, zuerst für vermögende Privatkunden und danach für institutionelle Anleger. Heute führt er die unabhängige Finanzberatung RichtigAnlegen AG in Romanshorn und zeigt mit how2invest, wie Privatanleger in der Schweiz selbständig, breit gestreut und kostengünstig investieren. Er ist Experte in der Anlagekommission einer Vorsorgeeinrichtung, Host des richtiganlegen.ch Podcasts und Co-Host des Podcasts Ring the Bell.