Securities Lending: Gratisrendite oder verstecktes Risiko?. how2invest Ratgeber

Securities Lending: Gratisrendite oder verstecktes Risiko?

Kurz beantwortet: Beim Securities Lending, auf Deutsch Wertschriftenleihe, verleiht Deine Bank, Dein Broker oder Dein Fonds Deine Wertpapiere gegen eine Gebühr an professionelle Marktteilnehmer. Bei breit gestreuten ETF-Portfolios bringt das meist nur 0,01 bis 0,05 Prozent pro Jahr, also rund 10 bis 50 Franken auf 100’000 Franken. Das Risiko ist klein, aber im Krisenfall real. Prüfe, ob Deine Wertschriften verliehen werden, und entscheide bewusst.

Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 29. Oktober 2026.

Was ist Securities Lending?

Securities Lending wird gern mit dem Vermieten einer Wohnung verglichen: Du bleibst wirtschaftlich Eigentümer Deiner Wertschriften, stellst sie aber zeitweise einem anderen zur Verfügung und erhältst dafür eine Gebühr. Ausgeliehen werden Wertschriften meist von Hedgefonds und anderen professionellen Marktteilnehmern, etwa für Leerverkäufe.

Verliehen werden kann auf zwei Ebenen:

  • Im Depot: Deine Bank oder Dein Broker verleiht die Wertschriften in Deinem Depot. Oft stimmst Du dem bei der Kontoeröffnung im Kleingedruckten zu.
  • Im Fonds: Der Anbieter eines ETF oder Fonds verleiht einen Teil der Wertschriften im Fondsvermögen.

Wie läuft eine Wertschriftenleihe ab?

  1. Der Verleiher, also Bank, Broker oder Fonds, gibt Wertschriften an einen professionellen Entleiher.
  2. Der Entleiher hinterlegt Sicherheiten, meist Bargeld oder Anleihen im Wert von 102 bis 110 Prozent der verliehenen Wertschriften.
  3. Die Sicherheiten werden täglich neu bewertet und bei Bedarf angepasst.
  4. Für die Leihe bezahlt der Entleiher eine Gebühr, die zwischen Dir oder dem Fonds und dem Verleiher aufgeteilt wird.

Wie viel bringt Securities Lending?

Der Ertrag hängt stark davon ab, wie gefragt die Wertschriften sind. Je spezieller, kleiner oder schwankungsanfälliger ein Markt, desto höher die Leihgebühr.

Anlage Typischer Nettoertrag pro Jahr
Breite Aktien-ETFs (zum Beispiel MSCI World) rund 0,01 bis 0,03 %
Staatsanleihen rund 0,01 bis 0,05 %
Aktien aus Schwellenländern rund 0,05 bis 0,20 %
Kleine Unternehmen (Small Caps) rund 0,10 bis 0,30 %

Davon geht ein Teil an den Verleiher. Fondsanbieter behalten unterschiedlich viel ein: einige geben fast alles an den Fonds weiter, andere behalten 15 Prozent und mehr, teilweise über einen Drittel. In den USA gab es deswegen bereits Sammelklagen von Pensionskassen. Banken und Broker behalten nach meiner Recherche oft rund die Hälfte. Wie viel tatsächlich bei Dir ankommt, ist häufig wenig transparent.

Wo das eigentliche Risiko liegt

Fällt ein Entleiher aus, schützen die überbesicherten und täglich bewerteten Sicherheiten. Dieser Teil funktioniert in der Regel gut. Das grössere Risiko liegt woanders: bei der Wiederanlage der Sicherheiten.

Bargeld als Sicherheit bringt keinen Ertrag, deshalb wird es oft wieder angelegt, teilweise in länger laufende, höher verzinste Papiere. Der Entleiher kann sein Bargeld aber jederzeit zurückverlangen, sobald er die Wertschriften zurückgibt. Kurzfristige Verpflichtungen stehen dann langfristigen Anlagen gegenüber. In normalen Zeiten ist das unproblematisch. In einer Krise wollen alle gleichzeitig ihr Geld zurück, und die Anlagen lassen sich nur mit Verlust oder gar nicht verkaufen.

Genau das ist in der Finanzkrise 2008 passiert: Grosse Finanzkonzerne hatten Barsicherheiten aus der Wertschriftenleihe in hypothekenbesicherte Papiere investiert. Als diese einbrachen und die Entleiher ihr Geld zurückwollten, entstanden massive Verluste, und der Staat musste eingreifen.

Lohnt sich Securities Lending?

Dafür spricht Dagegen spricht
Kleiner Zusatzertrag ohne Aufwand Bei breiten ETFs nur wenige Franken pro Jahr
Hohe Besicherung und tägliche Bewertung Risiko bei der Wiederanlage der Sicherheiten, besonders in Krisen
Kann Fondskosten teilweise ausgleichen Wenig Transparenz über Aufteilung und Wiederanlage
Risiko, das sich für Privatanleger kaum beurteilen lässt

Was Du tun kannst

  1. Vertrag prüfen: Schau in den Depot- und Geschäftsbedingungen nach, ob Deine Wertschriften verliehen werden dürfen.
  2. Fondsunterlagen prüfen: ETF-Anbieter weisen aus, ob und wie viel verliehen wird und wie die Erträge aufgeteilt werden.
  3. Ertrag und Risiko abwägen: Bei breit gestreuten Portfolios ist der Ertrag sehr klein.
  4. Bewusst entscheiden: Viele Anbieter erlauben, die Wertschriftenleihe im Depot abzuwählen.

Einordnung aus der Praxis

Securities Lending ist kein Betrug und kann in gewissen Konstellationen sinnvoll sein. Für mich gilt aber ein einfacher Grundsatz: Ich möchte verstehen, woher meine Rendite kommt und welche Risiken ich dafür trage. Beim Investieren in Aktien kenne ich das Risiko und werde dafür gut entschädigt. Bei der Wertschriftenleihe kann ich das Risiko nicht beurteilen, und der Ertrag ist bei einem breit gestreuten Portfolio verschwindend klein. Deshalb lasse ich persönlich die Finger davon. Seit die Finanzkrise langsam in Vergessenheit gerät, wird Securities Lending wieder stärker beworben. Gerade dann lohnt sich ein genauer Blick.

Mehr dazu hörst Du in der Podcast-Folge 146: Securities Lending, Gratisrendite oder verstecktes Risiko?

Häufige Fragen zum Securities Lending

Was ist Securities Lending?

Die Wertschriftenleihe: Bank, Broker oder Fonds verleihen Wertpapiere gegen eine Gebühr und gegen Sicherheiten an professionelle Marktteilnehmer, meist für Leerverkäufe.

Wie viel bringt Securities Lending?

Bei breit gestreuten Aktien-ETFs meist nur rund 0,01 bis 0,03 Prozent pro Jahr. Bei kleinen Unternehmen oder Schwellenländern kann es mehr sein.

Ist Securities Lending gefährlich?

Im Normalfall ist das Risiko klein, weil die Entleiher Sicherheiten hinterlegen. Problematisch kann die Wiederanlage dieser Sicherheiten in einer Finanzkrise werden.

Wie erkenne ich, ob meine Wertschriften verliehen werden?

In den Depot- und Geschäftsbedingungen Deiner Bank oder Deines Brokers sowie in den Fondsunterlagen Deiner ETFs. Im Zweifel beim Anbieter nachfragen.

Kann ich die Wertschriftenleihe ablehnen?

Bei vielen Banken und Brokern ja, über eine Einstellung im Depot oder auf Anfrage. Bei Fonds entscheidet der Anbieter; Du kannst aber Produkte ohne Wertschriftenleihe wählen.

Weiterführend

Welche weiteren Kosten und versteckten Gebühren beim Investieren anfallen, zeigt der Artikel Gemischte Anlagefonds und Gebühren. Wie Du unseriöse Angebote erkennst, erklärt Betrug bei Finanzangeboten erkennen. In der how2invest Academy lernst Du, die passenden Anbieter und ETFs auszuwählen.

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Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Erträge sind Richtwerte und können je nach Anbieter und Marktlage abweichen. Stand: Oktober 2026.

Written by

Marco Eberle

Marco Eberle ist Finanzplaner mit eidg. Fachausweis, Master in Financial Consulting und Certified Crypto Finance Expert (CCFE). Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Anlageberatung, zuerst für vermögende Privatkunden und danach für institutionelle Anleger. Heute führt er die unabhängige Finanzberatung RichtigAnlegen AG in Romanshorn und zeigt mit how2invest, wie Privatanleger in der Schweiz selbständig, breit gestreut und kostengünstig investieren. Er ist Experte in der Anlagekommission einer Vorsorgeeinrichtung, Host des richtiganlegen.ch Podcasts und Co-Host des Podcasts Ring the Bell.