Kurz beantwortet: Einen ETF wählst Du in zwei Schritten aus. Zuerst entscheidest Du, welchen Markt Du abbilden willst; das ergibt sich aus Deiner Anlagestrategie. Erst dann vergleichst Du die ETFs auf diesen Markt anhand weniger Kriterien: tiefe laufende Kosten, geringe Abweichung vom Index, ausreichende Grösse, ein steuerlich passendes Domizil und die Frage, ob Erträge ausgeschüttet oder wieder angelegt werden.
Von Marco Eberle, Finanzplaner mit eidg. Fachausweis. Aktualisiert am 30. Oktober 2026.
Was ist ein ETF?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet, etwa den Swiss Performance Index oder den MSCI World. Mit einem einzigen Kauf investierst Du in hunderte oder tausende Unternehmen. ETFs sind kostengünstig, transparent und jederzeit an der Börse handelbar. Als Sondervermögen sind sie bei einem Konkurs des Anbieters geschützt; der Wert schwankt aber mit den Märkten, in die sie investieren.
Zuerst die Strategie, dann der ETF
Der häufigste Fehler ist, mit der Produktsuche zu beginnen. Es reicht nicht, einfach einen beliebten ETF zu kaufen. Die wichtigste Entscheidung ist die Aufteilung auf Anlageklassen und Regionen: Wie hoch ist der Aktienanteil, wie viel Schweiz, Europa, USA und Schwellenländer willst Du halten? Ein MSCI-World-ETF besteht zum Beispiel zu über 70 Prozent aus US-Aktien, die Schweiz macht nur rund 2 Prozent aus. Erst wenn diese Gewichtungen feststehen, suchst Du für jeden Baustein den passenden ETF.
Die sieben Kriterien für die ETF-Auswahl
1. Index
Der Index bestimmt, was Du tatsächlich kaufst. Zwei «Welt-ETFs» können sich deutlich unterscheiden: Der MSCI World enthält nur Industrieländer, der MSCI ACWI zusätzlich Schwellenländer, und manche Indizes enthalten auch kleinere Unternehmen. Prüfe im Factsheet, welche Länder, Branchen und Unternehmensgrössen enthalten sind.
2. Laufende Kosten (TER)
Die Total Expense Ratio fasst die jährlichen Verwaltungskosten zusammen. Für breite Aktien-ETFs liegt sie heute oft deutlich unter 0,3 Prozent pro Jahr. Weil die Kosten jedes Jahr anfallen, lohnt sich der Vergleich: Bei gleichem Index ist der günstigere ETF langfristig fast immer die bessere Wahl.
3. Tracking-Differenz
Aussagekräftiger als die TER ist die Tracking-Differenz: die tatsächliche Abweichung der ETF-Rendite von der Indexrendite über mehrere Jahre. Sie enthält alle Kosten, aber auch Erträge wie die Wertschriftenleihe. Ein ETF mit etwas höherer TER kann den Index dadurch besser abbilden als ein vermeintlich günstigerer.
4. Fondsgrösse und Alter
Grosse ETFs mit mehreren hundert Millionen Franken Volumen und einigen Jahren Geschichte werden selten geschlossen und haben meist enge Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Sehr kleine oder neue ETFs sind nicht schlecht, tragen aber ein höheres Risiko, wieder vom Markt genommen zu werden.
5. Domizil
Das Domizil ist das Land, in dem der Fonds aufgelegt ist; Du erkennst es an den ersten zwei Buchstaben der ISIN, zum Beispiel CH für die Schweiz, IE für Irland, LU für Luxemburg und US für die USA. Das Domizil entscheidet, wie viel Quellensteuer auf den Dividenden verloren geht. Als Faustregel gilt: Schweizer Aktien mit einem Schweizer ETF, ausländische Aktien mit einem ETF aus Irland. Die Details stehen im Artikel ETF-Steuern in der Schweiz.
6. Replikation
Physisch replizierende ETFs kaufen die Aktien des Index tatsächlich, synthetische bilden die Rendite über ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab. Für breite Aktienmärkte sind physische ETFs der Standard und für die meisten Anleger leichter verständlich. Manche physischen ETFs verleihen einen Teil ihrer Aktien gegen Gebühr; wie das funktioniert, erklärt der Artikel Securities Lending.
7. Ausschüttend oder thesaurierend
Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden aufs Konto, thesaurierende legen sie automatisch wieder an. Steuerlich macht das in der Schweiz kaum einen Unterschied, denn die Erträge werden in beiden Fällen jedes Jahr als Einkommen besteuert. Thesaurierende ETFs sparen aber Aufwand beim Wiederanlegen und eignen sich besonders für Sparpläne.
Handelswährung ist nicht gleich Währungsrisiko
Viele ETFs werden an mehreren Börsen in verschiedenen Währungen gehandelt. Die Handelswährung ändert am Währungsrisiko nichts: Ein MSCI-World-ETF in Franken enthält trotzdem zu über 70 Prozent Dollar-Aktien. Wer den ETF an der Schweizer Börse in Franken kauft, spart aber den Wechselkursaufschlag des Brokers. Ein Schutz vor Währungsschwankungen besteht nur bei ETFs, die ausdrücklich währungsgesichert sind, und diese Absicherung kostet laufend Rendite.
Checkliste vor dem Kauf
| Frage | Wo Du die Antwort findest |
|---|---|
| Passt der Index zu meiner Strategie? | Factsheet, Abschnitt Index und Länder |
| Wie hoch sind TER und Tracking-Differenz? | Factsheet, ETF-Vergleichsportale |
| Wie gross ist der Fonds? | Factsheet, Fondsvolumen |
| Welches Domizil hat er? | Die ersten zwei Buchstaben der ISIN |
| Ausschüttend oder thesaurierend? | Name oder Factsheet, Ertragsverwendung |
| Ist er an der Schweizer Börse in Franken handelbar? | Broker oder SIX |
Einordnung aus der Praxis
ETFs gehören heute in jedes Portfolio: Sie sind kostengünstig, breit gestreut und geben Dir volle Kontrolle, Liquidität und Transparenz. Gleichzeitig wächst das Angebot ständig, und mit ihm die Zahl der Themen-ETFs, die vor allem gut zu vermarkten sind. Für das Kernportfolio genügen meist wenige breite ETFs. Wer mehr will, sollte jeden zusätzlichen ETF mit seiner Strategie begründen können, nicht mit der Rendite des letzten Jahres.
Wie ein solches Kernportfolio konkret aussieht, zeigen unsere Musterportfolios. Mehr zum Thema hörst Du in den Podcast-Folgen 84: ETF Auswahlkriterien, 64: Es reicht nicht, einfach einen ETF zu kaufen und 153: Wie wird eigentlich ein Index berechnet?
Häufige Fragen zur ETF-Auswahl
Wie viele ETFs brauche ich?
Für die meisten Anleger genügen zwei bis fünf breite ETFs, etwa ein globaler Aktien-ETF, ein Schweizer Aktien-ETF und je nach Strategie Ergänzungen. Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation.
Ist ein MSCI-World-ETF allein genug?
Er ist ein guter Grundbaustein, enthält aber keine Schwellenländer und kaum Schweizer Aktien. Ob das passt, hängt von Deiner gewünschten Gewichtung der Regionen ab.
Was ist wichtiger: TER oder Tracking-Differenz?
Die Tracking-Differenz, weil sie zeigt, wie viel Rendite tatsächlich beim Anleger ankommt. Die TER ist ein guter erster Filter.
Sind synthetische ETFs riskanter?
Sie tragen ein zusätzliches Gegenparteirisiko, das gesetzlich begrenzt und meist besichert ist. Für breite Aktienmärkte bieten physische ETFs in der Regel keinen Nachteil und sind einfacher zu verstehen.
Woran erkenne ich das Domizil eines ETFs?
An den ersten zwei Buchstaben der ISIN: CH steht für die Schweiz, IE für Irland, LU für Luxemburg, US für die USA.
Weiterführend
Wo Du Deine ETFs am günstigsten kaufst, zeigt der Artikel ETF-Broker Schweiz. Wie Du ETFs mit einem monatlichen Sparplan kaufst, erklärt der Artikel ETF-Sparplan. In der how2invest Academy lernst Du Schritt für Schritt, wie Du Deine Strategie festlegst und für jeden Baustein den passenden ETF auswählst.
7 Tage kostenlos testen oder zuerst das kostenlose Webinar ansehen.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Indizes und Kennzahlen sind Beispiele und keine Kaufempfehlung. Stand: Oktober 2026.